INTERVIEWS OF "THE BLACKOUT ARGUMENT"


01. Allschools (Germany) | 2008-07-22
02. Musicscan (Germany) | 2008-06-26
03. Fuze (Germany) | 2008-05-01
04. Stardust Magazin (Germany) | 2008-05-01
05. Squealer Rocks (Germany) | 2007-09-13
06. Metal News (Germany) | 2007-09-09
07. Partyausfall (Germany) | 2007-08-05
08. Fuze (Germany) | 2007-08-01
09. Legacy (Germany) | 2007-08-01
10. Musicbeat (Germany) | 2007-08-01
11. Stardust (Germany) | 2007-08-01
12. Blood Chamber (Germany) | 2007-07-28
13. Skartnak (French) (Switzerland) | 2007-07-27
14. Skartnak (English) (Switzerland) | 2007-07-27
15. Sweet Jane Music (Germany) | 2007-07-26
16. FoMP (Germany) | 2007-07-25
17. Newcore (Germany) | 2007-07-18
18. Fenix Webzine (Portugal) | 2007-07-01
19. Heartbeatmedia (Germany) | 2007-07-01
20. Eightball (Germany) | 2007-06-01
21. Ownblood (Germany) | 2007-06-01
22. Wastin (Germany) | 2007-06-01
23. Fuze (Germany) | 2007-05-01
24. Handle Me Down MAG (Germany) | 2007-05-01
25. Scarred For Life (Germany) | 2007-05-01
26. Metal News (Germany) | 2007-04-26
27. Metal News (Germany) | 2007-04-25
28. Allschools (Germany) | 2007-04-12
29. Joining Forces (Germany) | 2007-04-01
30. Metal Rage (Netherlands) | 2007-04-01
31. Rock ´n´Riot (Germany) | 2007-04-01
32. Stardust (Germany) | 2007-04-01
33. The Insider (Belgium) | 2006-10-29
34. Pitfire (Switzerland) | 2006-09-19
35. Shredder Mag (Germany) | 2006-08-20
36. RBTL Mag (Germany) | 2006-08-10
37. Trueside Music (Germany) | 2006-06-11
38. FFM Rock (Germany) | 2006-06-06



THE BLACKOUT ARGUMENT
Allschools (Germany) | 2008-07-22

In Zeiten von illegalen Musikdownloads müssen die Bands sich etwas einfallen lassen. THE BLACKOUT ARGUMENT haben ihre EP gleich umsonst und ohne Umwege angeboten.
Stell Dich und Eure Band doch erstmal genauer vor.

Chris: Hey, ich bin Chris Zehetleitner und spiele bei THE BLACKOUT ARGUMENT Gitarre. Neben der Band bin ich noch Chef und Gründer von Let it Burn Records und der Let it Burn Agency. Mit mir auf der Bühne stehen: Raphael Schmid (Gesang, Heilerziehungspfleger), Sascha Laumann (Bass, Elektrotechnik Student), Philip Seid (Drums, Recording Guru) und Chris Lochmann (Gitarre, Medienentwickler). THE BLACKOUT ARGUMENT gibt es jetzt seit ca 2,5 Jahren, unsere erste Show haben wir im März 2006 gespielt.

Ok, Schön. Kommen wir direkt zu eurer Aktuellen EP. Ihr folgt da ganz den Beispielen von PENNYWISE, NINE INCH NAILS, RADIOHEAD etc. Wie kamt ihr auf die Idee, Eure aktuelle EP im Internet umsonst zum Download anzubieten inkl. Cover etc.?

Chris: Wir hatten eh vor eine kleine Veröffentlichung im Sommer 2008 zu machen, da das nächste reguläre Album auf Lifeforce erst im Januar 2009 erscheint und wir die Zeit bis dahin überbrücken wollten. Außerdem war es uns auch wichtig unseren neuen Sänger Raphael nicht nur live, sondern auch in aufgenommener Form vorzustellen. Wir haben lange diskutiert was Sinn macht und was nicht, es standen diverse Möglichkeiten im Raum aber die Idee die Songs gratis anzubieten gefiel uns allen am besten. Uns war jedoch von Anfang an klar, das Ganze nicht nur schäbig im MySpace Player hochzuladen und gut ist, sondern es sollte definitiv ein "echtes" Release werden, auch wenn es nur in digitaler Form vorliegt. Deshalb haben wir Dave Quiggle mit einem Cover-Artwork beauftragt und unter www.smilelikeawolf.com eine eigene Download-Webseite eingerichtet, die neben den Mp3s, Druckdateien für ein Cover, Booklet, Inlay auch WAV-files (für Klangfetischisten) und viele zusätzliche Bandinformationen enthält.
Natürlich haben wir uns die Aktionen von PENNYWISE und Co. genau angesehen wie die das gelöst haben, unser Ziel war es jedoch das ganze NOCH direkter und unkomplizierter zu machen. Für das PENNYWISE-Album musste man sich erst auf MySpace registrieren und bei NIN und RADIOHEAD gab es eine "freiwillige Bezahlungsmöglichkeit". Alles Dinge, auf die wir verzichten wollten damit das ganze auch WIRKLICH "for free" ist und bleibt.

Die Kollegen von FIRE IN THE ATTIC haben eine ähnliche Aktion unternommen, allerdings war bei den Jungs ein gewisses finanzielles Risiko gegeben, da man nicht antizipieren kann, wie die Visions gekauft wird und ob überhaupt irgendwer das Album im Laden kaufen wird. Bei Größen wie RADIOHEAD etc. braucht man von einem finanziellen Risiko eig. nicht reden. Gibt es bei Eurer Aktion ein Risiko, oder eine Sache die euch vll. etwas unruhig und nervös macht?

Chris: Auch bei uns ist ein gewisses finanzielles Risiko dabei. Wir haben zwar die Möglichkeit kostenfrei zu recorden aber das Artwork, die Entwicklung der Download-Seite und Teile der Promo wurden von der Band selbst getragen. Da hat sich schon einiges angehäuft, was wir nicht direkt wieder ausbezahlt bekommen. Dennoch ist das Ganze, auch durch die Unterstützung von Let it Burn Records und Milchglas Media noch im Rahmen geblieben und wir haben uns nicht komplett finanziell ruiniert.

Erstmal ein Kompliment, ich mag solche Aktionen sehr, nicht weil ich damit Geld spare (klar, zum Teil auch) sondern in erster Linie, weil es unglaublich sympathisch ist von einer Band, die Musik so anzubieten und damit jedem zu ermöglichen, die Musik zu hören. Wie waren denn die Resonanzen auf das Album? Ob nun von Kritikern, Freunden oder Fans?

Chris: Cool vielen Dank! Bisher war das Feedback überwältigend gut! Wir waren selbst überrascht, dass es gleich ab Tag eins so viel positive Rückmeldung gab. Klar die Fans freuen sich natürlich, weil es was für umme gibt, aber auch sehr viele neue Kids, die noch nie vorher von THE BLACKOUT ARGUMENT gehört hatten sind durch die Aktion auf die Band aufmerksam geworden, was letztendlich unser wichtigstes Ziel war / ist. Wir sind jedenfalls mega-happy wie es sich bis jetzt entwickelt hat und hoffen drauf, dass es so weiter geht!

Angenommen die Reaktionen auf die EP wären alles andere als rosig gewesen, wie hättet ihr reagiert?

Chris: Das Schlimmste, was passieren hätte können, wäre dass nur ein paar hundert Leute die Songs runterladen und keine Resonanz gekommen wäre. Für uns als Band wäre das natürlich eine Enttäuschung gewesen aber da wir selbst Riesenfans der neuen Songs sind und 100% dahinterstehen hätte uns das nicht umgehauen. Ist aber eh nur ein "was wäre wenn"-Spiel, die Realität sieht so aus, dass in der ersten Woche alleine über 4000 Leute die Songs heruntergeladen haben und wir bis Ende des Monats sicher die 10.000 knacken.

Das ist super. Ihr spielt bald mit ARCHITECTS im Underground in Köln habe ich gelesen. Selbige spielen die Never Say Die! Tour dieses Jahr, die ihr letztes Jahr gespielt habt. Wie kam es dazu und wie war die Erfahrung eine so große Tour zu spielen?

Chris: Wir hatten letztes Jahr das Glück gleich zwei so Riesen-Touren zu spielen. Im Mai waren wir zusammen mit BOY SETS FIRE auf deren Abschiedstour unterwegs, die Hallen waren sogar noch mal ein Stück größer als die bei den Never Say Die Festivals. Für uns als junge Band ist das natürlich eine irre coole Erfahrung! Abgesehen davon, dass man auf einen Schlag super viele Kids mit der Musik erreicht ist das ganze drumherum bei so großen Shows ein komplett anderes Kaliber. Ablaufplan, Catering, Merch, Backline, Sound, etc. alles ist super gut abgestimmt und top organisiert. Für die Boy Sets Fire Tour hat uns deren Bassist Robert direkt gefragt ob wir Lust haben sie zu begleiten, die Never Say Die Festivals hat die Booking Agentur unseres Vertrauens: Avocado Booking für uns klar gemacht. Auch die Tour mit ARCHITECTS, die Du angesprochen hast läuft über Avocado. Geht ca. 2 Wochen und wir werden wohl in allen größeren Städten mal vorbei schauen.

Gerade Never Say Die! oder BSF sind dann in größeren Hallen.. Wie ist das bei euch? Lieber die große Halle oder doch eher der kleine Club?

Chris: Die Antwort wirst du wahrscheinlich von 90% der Bands bekommen aber wir stehen auf BEIDES. Sowohl kleine Clubs als auch große Hallen haben ihren ganz eigenen Reiz und jeder, der behauptet er mag nur das eine lügt, haha.

Stichwort Let it Burn Records. Erzähl mir etwas davon. Ist es extra für die EP gegründet?

Chris: Nein, das Label gibt es schon seit 2000 und es wurde nicht extra für die Veröffentlichung von „Smile Like A Wolf“ gegründet. Ich hab das damals mit einem Freund, Daniel, aus dem Boden gestampft, weil wir gesehen haben, dass es dutzende extrem cooler Bands gab, die einfach keine Chance bekommen haben sich einem größeren Publikum vorzustellen. So zum Beispiel eine technisch extrem versierte und damals schon mehr als eigenständige Band Namens FEAR MY THOUGHTS. Zusammen mit dieser Band ist das Label dann auch sehr schnell gewachsen und mit weiteren Veröffentlichungen von BRIDGE TO SOLACE, FINAL PRAYER, SOLID GROUND, A TRAITOR LIKE JUDAS, MISCREANTS, SCARS OF TOMORROW, und und und gehört Let it Burn inzwischen zu den immer weniger werdenden etablierten mittelgroßen Hardcore-Labels in Europa. Inzwischen wird es von mir und Feivel (Gitarrist von The Cassidy Scenario) betrieben und wir haben noch Großes vor!

Also würde Let it Burn jede Band unterstützen die ähnliches vor hat, ihr Album unter die Menschen zu bringen? Vielleicht auch nochmal Blackout Argument, oder würdet ihr diese Aktion nicht mehr wiederholen?

Chris: So einfach ist das heute natürlich nicht mehr. Als wir 2000 mit dem Label angefangen haben, war die Szene noch wesentlich übersichtlicher und es gab nur eine handvoll WIRKLICH guter Bands die auch was reissen wollten. Heutzutage kann man sich vor Bandbewerbungen kaum retten, selbst als mittelgroßes Label. Da muss man natürlich krass selektieren. Was übrig bleibt und tatsächlich einen Vertrag kriegt sind dann aber absolut hochkarätige Bands, die wirklich alles dran setzen voran zu kommen und Gas zu geben! Unsere letzten Signings waren TODAY WE RISE, DEATHSPIRIT, RED TAPE PARADE und im Moment stehen wir in Verhandlung mit... das ist noch ein Geheimnis!
Wir können uns durchaus vorstellen auch in Zukunft weitere Online-Releases zu veröffentlichen! Das wird sich zeigen, auch eine erneute Zusammenarbeit mit THE BLACKOUT ARGUMENT können wir uns vorstellen, wobei die Veröffentlichung des nächsten Albums auf Lifeforce bei der Band jetzt erstmal Vorrang hat.


Verstehe ich das falsch? Weshalb nicht via Let it Burn?

Chris: Weil wir mit THE BLACKOUT ARGUMENT bei Lifeforce Records unter Vertrag sind. Die Veröffentlichung von "Smile Like a Wolf" auf Let it Burn Records war sozusagen nur eine Art "Seitensprung", haha. Lifeforce ist ein super cooles Label, das noch mal eine deutliche Nummer größer ist als Let it Burn und uns als Band viel mehr Möglichkeiten gibt zu wachsen. Wir werden also auch in Zukunft weiter unsere Alben bei Lifeforce veröffentlichen.

Wie wird das neue Album stilistisch werden? Kann man die logische Weiterführung der "Smile like a Wolf" EP erwarten oder gibt es Überraschungen?

Chris: Raphaels Gesang hat unseren Stil natürlich maßgeblich geprägt und somit wird das Album auch in Richtung der „Smile Like A Wolf“ EP gehen. Prinzipiell achten wir aber bei einem Album immer darauf, dass das Ganze a) abwechslungsreich und b) ausgewogen ist. Bei einer EP reicht es 5 coole Songs zu schreiben aber bei einem Album muss man sich da schon mehr Gedanken machen, dass es auf die Länge von 45 bis 50 Minuten nicht langweilig wird. Es wird also auf dem Album ein paar Songs geben, die stilistisch raus stechen, ähnlich wie auch schon auf unserem ersten Album „Decisions“.

Wie wird es nach der Veröffentlichung des Albums weitergehen im Hause BLACKOUT ARGUMENT

Chris: Meinst du das kommende Album? Das ist ja erst im Januar 2009, aber wir werden sicher kurze Zeit danach eine Tour spielen um das Album zu supporten und so wie ich uns kenne, werden wir auch gleich wieder das nächste Projekt in Angriff nehmen. Was das sein wird, weiß noch keiner aber langweilig wird uns und den Leuten, die die Entwicklung der Band verfolgen, sicher nicht.

Das ist zu hoffen. Meine Frage war etwas unglücklich formuliert - Was ist nun für den Rest des Jahres noch zu erwarten? Außer auf das Album warten?

Chris: Das dachte ich mir schon, haha. Am 11.7. feiern wir erstmal eine Release-Party für "Smile Like A Wolf". Mit von der Partie sind PANGAEA, BANG BANG YOU DEAD und LOWER HELL, drei neue aber extrem vielversprechende Bands. Im August geht es dann auf Europa Tour mit den ARCHITECTS aus UK, wobei wir u.a. beim Sucks’n’Summer Festival halt machen. Direkt im Anschluss werden wir die restlichen Songs fürs Album anpacken und im September hocken wir im Studio um das Ganze einzuspielen. Volles Programm also bis Herbst!

Okay dann war es das auch schon. Danke Dir vielmals und alles Gute für die
Zukunft.

Chris: Super vielen Dank für das Interview und den Support!



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THE BLACKOUT ARGUMENT
Musicscan (Germany) | 2008-06-26

Unter dem Titel „Smile Like A Wolf“ ist Anfang Juni eine Gratis-EP von The Blackout Argument online gegangen. Die Münchener haben zu diesem Zweck eigens eine neue Website gelauncht, auf der die EP heruntergeladen werden kann. Mit den neuen Songs stellt die Band ihren neuen Sänger Raphael offiziell vor und verkürzt die Wartezeit auf den zweiten Longplayer für Lifeforce Records, der im Januar 2009 erscheinen soll.
Musicscan: Was gibt’s Neues aus dem Lager von The Blackout Argument zu berichten? Wie ist der offizielle Online-Start von Smile Like A Wolf angelaufen?

The Blackout Argument: Hey Arne! Der Online Start von „Smile Like A Wolf“ war extrem cool! Wir hatten gleich in der ersten woche über 4000 Downloads, wesentlich mehr als wir gedacht hatten. Bis Ende des Monats sind es aller vorraussicht nach schon 10.000. Das macht uns echt mega happy vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass ein Großteil der Leute die sich die EP runterladen vorher noch nichts von uns gehört haben! Ansonsten sind wir ja bekanntlich ziemliche Arbeitstiere und haben vor einigen Wochen bereits mit dem Songwriting für unser kommendes zweites Album auf Lifeforce Records begonnen. Im September sind wir im Studio, Releasedate ist dann im Janaur 2009. Neben Songwriting und Recording geht’s im August wieder auf Europa Tour, dieses mal zusammen mit ARCHITECTS eine mega coolen neuen Band aus UK.

Musicscan: Welches Feedback gab es a) von Hörern / Fans und b) von anderen Bands und befreundeten Musikern? Wie wird eine Gratis-EP generell aufgenommen?

The Blackout Argument: Das Feedback war bisher überweltigend! Ich war selbst überrascht dass die Leute so positiv auf die Aktion als solches, aber auch auf die Songs reagiert haben. Wir haben anrufe bekommen von Leuten die unsere Songs in voller Lautstärke mitgesungen haben und son Zeug, echt abgefahren!! Andere Musiker (die hören ja bekanntlich immer genauer hin hahaha) waren auch alle sehr angetan vom neuen Material. Hier wurde oft gesagt dass wir musikalsich ausgereifter sind und vor allem (auch von den Hörern) dass Raphael am Gesang genau das war was uns noch gefehlt hat.

Musicscan: Wie ist die Idee entstanden, Smile Like A Wolf gratis ins Netz zu stellen?

The Blackout Argument: Da wir mit Songwriting recht fix sind, kam die Idee auf die Zeit bis zum nächsten regulären Album mit einem Zwischen-Release zu überbrücken. Da wir nicht erneut eine MCD aufnehmen wollten und insgesamt schon länger den Wunsch haben etwas „besonderes“ zu tun, kam die Idee auf, die Songs einfach für lau ins Netz zu stellen. Alles weitere, zum Beispiel dass es dazu ein komplettes CD-Artwork und eine eigene Download-Webseite geben würde, ergab sich in vielen Gesprächen innerhalb der Band und mit einigen Außenstehenden.

Musicscan: Einen anderen kostenfreien Vertriebskanal haben Fire In The Attic mit der Visions-Beilage gewählt. Wird man zukünftig aus Eurer Sicht häufiger mit ähnlichen Aktionen rechnen müssen? Wie bewertet Ihr den Weg der „Kollegen“?

The Blackout Argument: Ich hoffe es! Aus Sicht der Hörer aber auch der Labels und Musiker ist das der Weg den man in Zukunft gehen sollte. Natürlich macht es keinen Sinn den physischen Tonträger komplett abzuschaffen, dazu ist der Charme den ein „echtes“ CD Booklet ausstrahlt und das Ritual des Einlegens einer CD in den Player einfach zu großartig. Aber von Zeit zu Zeit ein Online Release zu veröffentlichen halte ich für die richtige Richtung. Natürlich spreche ich hier nicht von ein paar schäbigen live-songs die man dann lieblos auf myspace hackt. Solche Online-Releases müssen in punkto Artwork, Qualität, Vertrieb und Promotion genauso ernst genommen werden wie die physischen Tonträger, sonst macht es keinen Sinn. Die Aktion von FIRE IN THE ATTIC haben wir natürlich mitbekommen und ich muss sagen, auch wenn die Idee nicht neu war, war ich durchaus überrascht und beeindruckt sowohl von der Band als auch vom Label. Dazu gehört viel Mut, vor allem in diesem Umfang ist damit natürlich auch ein großes finanzielles Risiko verbunden. Das einzige was ich mir noch gewünscht hätte wäre ein ausführlicheres Booklet gewesen, aber auch so war es eine extrem coole, für die Zukunft richtungsweisende Aktion.

Musicscan: Welche Effekte kann man als Band mit einem Gratis-Release denn erreichen? Was sind Eure Erwartungen bzw. Ziele?

The Blackout Argument: Unser größter Wunsch ist es natürlich so viele neue Hörer wie möglich zu erreichen mit „Smile Like A Wolf“. Einfach den leuten die vielleicht schon mal von Blackout Argument gehört haben (oder auch nicht) die möglichkeit geben aktuelle und exklusive Songs von uns auszuchecken. Wenn die Kids die songs gut finden wäre es natürlich super cool für uns wenn wir das auf Konzerten merken oder sonst feedback bekommen. Konkrete Erwartungen oder Ziele haben wir nicht, das kollidiert mit unserem internen Band-Verständnis. Wir sind happy mit allem was passiert solange ETWAS passiert. Natürlich freuen wir uns darüber dass alles so aussieht als würde „Smile Like A Wolf“ ein Riesenerfolg werden und die Band enorm weiterbringen.

Musicscan: Gibt man als Künstler mit so einer Aktion nicht der Diskussion Nahrung, dass Musik generell zu teuer und das Medium einer CD inzwischen überholt ist? Wenn so etwas häufiger passiert, könnte sowohl die gefühlte Wertigkeit für die Kunst und die Bereitschaft, später wieder etwas zu kaufen, abnehmen. Oder nicht?

The Blackout Argument: Natürlich schlagen wir mit unserer Aktion genau in diese Kerbe und stellen uns auch regelmäßig der Diskussion. Zunächst zur CD, dass dieses Format überholt ist, ist ein fakt. Die Beschränkung auf Stereo-Sound (auch hier wird es ohne Frage eine Weiterentwicklung in der Recording-Technologie geben), nur 70 Minuten Spielzeit und Empfindlichkeit der CD sind einfach als Nachteile nicht von der Hand zu weisen. Während das Vinyl noch einen großen nostalgischen Wert hat (analog, große Cover, umständliche Abspielgeräte, etc.) ist die CD im digitalen Zeitalter eher so eine Art "Übergangsformat" gewesen. Was als nächstes kommt ist schwer zu sagen, ich denke aber, dass es noch mal einen physischen Tonträger geben wird bevor komplett alles mit dem Internet verschmilzt. Die Wertigkeit der Kunst wird niemals abnehmen, was sich aber ändern wird und bereits ändert ist die Art der Honorierung dieser Kunst. Ich denke das wird sich weiter in die Richtung verschieben dass die Fans das Geld lieber den Künstlern direkt zukommen lassen als den Plattenfirmen. Schließlich brechen ja nur die Verkaufszahlen immer mehr ein, Live-Konzerte und Merchandise boomen mehr dennje! Und genau an diesem Punkt müssen Labels umdenken. Wenn Plattenfirmen den Hörern ein Signal geben dass sie ihnen nicht nur das Geld aus der Tasche ziehen wollen sondern als eine Art Bindeglied zwischen ihnen und dem Künstler fungieren, werden sie auch wieder das Vertrauen der Hörer gewinnen. Ein Gratis Online Release ist eine Möglichkeit wie man so was erreichen kann, aber auch andere Interaktionen zwischen Fans und Künstler über das Label sind denkbar.

Musicscan: Da Ihr als The Blackout Argument noch recht neu unterwegs seid. Was bedeutet es heutzutage, eine neue Band zu etablieren, die melodischen und nicht zu metallischen Hardcore spielt? Es gibt ja Unmengen an Gruppen und Releases…

The Blackout Argument: Cool dass du das ansprichst, bisher wurden wir dazu noch nicht viel befragt in Interviews. Es ist in der Tat so, dass für die leute heute alles „Metalcore“ ist. Bei den Rezensionen zum „Decisions“ Album ist dieser Begriff dutzende male gefallen, meiner ansicht nach vollkommen unpassend. Natürlich spielen wir harte Musik und bedienen uns sicher auch hier und da stilistischer Mittel die dem modernen Metal nahe stehen, der Grundcharakter unserer Musik ist jedoch viel tiefer im Hardcore, Rock oder Punk verwurzelt. Unsere Songs sind wesentlich geradliniger und kompakter als die einer Standard-Metalcore Band. Ich denke nicht dass die Leute uns als „Metalcore“ bezeichnen um uns zu ärgern, sondern einfach nur weil sie probleme mit der Einordnung haben. Klar, TERROR ist eine Hardcore-Band, AS I LAY DYING ist Metalcore und FALL OUT BOY sind Emo. Bei uns ist das halt nicht so einfach, hahaha! Auf der anderen Seite ist es aber auch total spannend für uns als Band da unser Becken bei weitem noch nicht so voll ist wie das des Metal/Core. Wir spielen sehr oft auf Shows wo wir eigentlich überhaupt kein bißchen reinpassen aber genau das ist reizvoll für uns. Ich könnte mir vorstellen dass sich Bands wie Caliban oder Heaven Shall Burn so was insgeheim wünschen, mal wieder vor einem Publikum zu spielen dass einen nach dem ersten Song mit großen Augen anschaut als hätten sie gerade ein Ufo auf der Bühne landen gesehen, dann aber nach 5 Songs mega am feiern ist! Auf lange Sicht denke ich dass es sich für uns noch mehr auszahlen wird unser eigenes Ding durchzuziehen als es eh schon der Fall war. Der Metalcore Boom ist definitv zuende und außer ein paar Szenegrößen wird da nicht viel übrig bleiben. Die Leute sind hungrig auf etwas neues und wir haben es am Start hehehe ;-)

Musicscan: Mit welchem Selbstverständnis geht Ihr der Band nach? Was treibt Euch an, beständig neue Songs zu schreiben und auch live unterwegs zu sein?

The Blackout Argument: Zum Selbstverständnis hab ich ja oben schon mal kurz was gesagt, wir sind einfach mega glücklich mit allem was uns bisher schon wiederfahren. Die vielen Shows, das Signing mit Lifeforce, der Boy Sets Fire Toursupport-Slot, die Never Say Die Festivals, jetzt die Möglichkeit eine gratis Online EP zu veröffentlichen… all diese Dinge sind keine Selbstverständlichkeit und wir sind von tiefstem Herzen dankbar dafür. Was uns antreibt ist definitiv die Liebe zur Musik. Auch wenn der Bandalltag manchmal echt stressig sein kann (sei es im Studio, Proberaum oder auf Tour) gibt uns das Songs schreiben, aufnehmen, veröffentlichen und live spielen mehr als alle anderen Dingen die wir bisher ausprobiert haben. Musik-Junkies for life hahaha!

Musicscan: Welche musikalischen oder textlichen Differenzierungs- bzw. Alleinstellungsmerkmale haben The Blackout Argument? Was zeichnet Euch als Band aus?

The Blackout Argument: Musikalisch denke ich dass wir uns ganz gut positioniert haben indem wir (ohne Berücksichtigung von Sub-Genres) den Musikstil „Hardcore“ um eine Komponente erweitern, die in diesem Kontext eher ungewöhnlich ist, nämlich Melodie. Natürlich gibt es hunderte Bands die „melodischen Hardcore“ spielen, auch viele die sehr coole Gesangsparts haben, aber nur wenige Bands schöpfen das wirklich komplett aus und WENN sie es tun, verändert sich ihre Musik dabei so drastisch dass die Überschrift „Hardcore“ nicht mehr passt. Das klingt jetzt alles sehr musik-theoretisch hahaha! Wir sitzen auch nicht im Proberaum und überlegen wie wir jetzt besonders individuell klingen können, man hört bei uns genauso wie bei den meisten anderen bands raus was wir selbst gerne hören und was uns beeinflusst. Das ist alles keine Mathematik sondern eine reine Bauchsache. Bei uns ergibt die Mischung der einzelnen Musiker jedoch das oben beschriebene Ergebnis mit dem wir allesamt sehr glücklich sind.

Musicscan: Der Wechsel des Sängers kurz nach der Veröffentlichung des Debüts war zeitlich nicht unbedingt optimal getimt. Wie kam es dazu, und wie hat sich zunächst der Integrationsprozess und dann der Schreibprozess für Smile Like A Wolf mit dem neuen Shouter gestaltet?

The Blackout Argument: Das stimmt, es hätte sicherlich einen cooleren Zeitpunkt für einen Sängerwechsel gegeben aber so was sucht man sich ja auch nicht aus. Die Entscheidung ging von unserem alten Sänger Sinan aus, er hat den Wunsch geäußerst auszusteigen. Das ganze kam zwar nicht völlig unerwartet für uns, war dann aber doch erstmal eine bittere Pille. Dass Raphael den wir bereits von unseren Freunden FOR HEAVEN’S SAKE kannten sofort Lust hatte bei uns einzusteigen und auch von Tag 1 an mit vollem Herzen dabei war, hat uns definitv den Arsch gerettet. Ab da ging alles ziemlich schnell, Sinan war es wichtig einen möglich schnellen und sauberen Cut zu haben, also haben wir fast unmittelbar nach Sinans Ankündigung angefangen mit Raphael Shows zu spielen. Die Reaktionen auf seine Live-Präsenz waren von Anbeginn an sehr gut und als wir dann auch die Feuertaufe, die „Decisions“-Releseparty in München, mit Bravur bestanden hatten, wussten wir dass es mit The Blackout Argument in diesem Line Up wieder mit Vollgas weitergehen würde. Was Raphaels musikalischen Input betrifft so hört man schon dass er The Blackout Argument stark geprägt hat. Sein Gesangsstil ist dem von Sinan zwar in vielen Punkten ähnlich (besonders bei gesungenen Refrains) aber der Grundcharakter hat sich definitiv geändert. Jetzt so viele positive Reaktionen auf die ersten Aufnahmen mit Raphael zu bekommen ist noch mal eine enorme Erleichterung. Wir sind jedenfalls sehr glücklich wie alles verlaufen ist.

Musicscan: Die EP darf sicherlich als Indikator für das zweite Album gewertet werden: Wie haben sich The Blackout Argument mit der neuen MCD aus Deiner Sicht weiterentwickelt bzw. wo liegen momentan Eure stärksten Momente? Wie wird sich das bis zu den Aufnahmen der neuen Platte fortführen, oder was wollt Ihr bis dahin ausprobieren?

The Blackout Argument: Das witzige ist dass wir besonders auf einen bestimmten song EXTREM positive Reaktionen bekommen haben und das ist „Vampire Searching For Some Light“. Die entstehungsgeschichte dieses Songs klingt fast schon unglaubwürdig aber es war wirklich so: Wir hatten gerade an einem anderen Song gearbeitet als Chris18 mit dem Intro-Riff von ‚Vampire…“ ankam. Er hat einfach nur die ersten 3 Töne gespielt und wir haben angefangen zu spielen und zwar den kompletten song, von anfang bis ende. Es war einfach unglaublich zu sehen wie dieser song direkt beim spielen vollkommen ohne verbale verständigung ganz von alleine entsteht! Alle Teile inkl Lead-Gitarren waren einfach da, irgendwo in uns, alles was wir noch tun mussten war sie an der richtigen Stelle zu spielen. Wir haben den Song noch ein zweites mal gespielt, einen übergang verändert und genauso aufgenommen. Irre! Wenn wir es für das Album schaffen einen ähnlichen „Fluß“ zu erreichen un dem die Songs einfach entstehen ohne „geschrieben“ werden zu müssen, dann glaube ich dass Album Nummer 2 ein absoluter Hammer werden kann! ?

Musicscan: Was darf man 2008 außer Smile Like A Wolf von The Blackout Argument erwarten?

The Blackout Argument: Das gleiche wie 2007: Gebrochene Gitarren, Knochen und Herzen hahaha! Wie bereits erwähnt gehen wir im August auf Tour mit ARCHITECTS, dann wird es natürlich am 11.7. eine Smile Like A Wolf Release Party geben, auf Blacktop erscheint eine limitierte Vinyl-Version der Songs. Im September geht’s dann ins Stduio fürs Album und im Okt/Nov spannen wir ein wenig aus hehehe.

Musicscan: Letzte Worte?

The Blackout Argument:Vielen Dank für das Interview! Waren wirklich gute Fragen. Wir laden jeden herzlich ein mit uns über den Sinn und Unsinn einer gratis Download EP zu diskutieren und auch sonst aus jedem undenkbaren Grund mit uns in Kontakt zu treffen! Vielen Dank!



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THE BLACKOUT ARGUMENT
Fuze (Germany) | 2008-05-01

1) Eure neue EP „Smile Like A Wolf“ kann man nicht im Plattenladen kaufen, es gibt die fünf Songs nur als kostenlosen Download. Warum?

Chris: 100% korrekt ist das nicht. Es gibt 3 der fünf songs plus einen bonus song auf einer Vinyl-7inch die Niko von BLACKTOP RECORDS rausbringt. Das ganze ist aber auf 500 Stück limitiert und eine reine non-profit Geschichte. Uns war es nur wichtig den Leuten die THE BLACKOUT ARGUMENT mega cool finden auch etwas "greifbares" zur Verfügung zu stellen.
Aber zurück zu deiner Ausgangsfrage: Die Idee hinter "Smile Like A Wolf" ist, unsere Musik den Hörern ohne Umwege zugänglich zu machen. Jeder von uns kennt das, wenn wir von einer neuen Band hören die uns interessiert gehen wir als aller erstes auf Myspace oder deren Webseite um dort Songs anzuhören und mehr infos zu bekommen. Niemand rennt sofort in den Plattenladen und holt sich blind die CD, dazu ist dieser Tonträger einfach zu teuer und bei der großen Anzahl an neuen Bands / Releases die jährlich erscheinen summiert sich das in utopische finanzielle Höhen. Was man in der Regel jedoch auf der Webseite oder dem Myspace-Profil der Band findet ist vollkommen unbefriedigend. Entweder liegen die Songs in miesester Qualität vor oder man kann sie nicht downloaden, es fehlen Infos, Songtexte, Artwork, etc. Ein Song ist schnell mal online gestellt, aber ein richtiges "Online Release" so wie wir das mit "Smile Like A Wolf" gewünscht haben gibt es nie. Deshalb haben wir uns bei der Entwicklung der Download-Seite (www.smilelikeawolf.com) auch dementsprechend viel Mühe gegeben. Wir wollten alle wichtigen Informationen auf einer Seite zusammenfassen, dazu einen Audio-Player für die Leute die die Songs zuerst auschecken wollen bevor sie sie downloaden, und eine Download-Sektion in der man nicht nur die mp3s bekommt sondern auf Wunsch auch WAV-Dateien in maximaler Audioqualität und ein komplettes CD-Artwork mit Booklet, Inlay, allen Texten etc. Um das ganze so einfach wie möglich zu machen haben wir auch komplett auf eine E-Mail-Registrierungspflicht oder den Weg über einen Myspace-Friend-Request (wie PENNYWISE das beispielsweise mit ihrem neuen Album gemacht haben) verzichtet. Egal ob jemand THE BLACKOUT ARGUMENT schon kennt oder erst ganz neu auf uns aufmerksam geworden ist, "Smile Like A Wolf" ist die einfachste und beste Möglichkeit an dieser Band teilzuhaben.
Den Zeitpunkt der Veröffentlichung von "Smile Like A Wolf" haben wir mit Juni 2008 bewusst gewählt. Zum einen dient das Release zur Überbrückung bis zu unserem nächsten regulärem Album auf LIFEFORCE RECORDS welches erst im Januar 2009 erscheint. Zum anderen wollten wir die Chance nutzen um unseren neuen Sänger Raphael nicht nur live sondern auch in aufgenommener Form den Leuten vorzustellen. Er ist zwar schon seit Sommer 2008 dabei, aber "Smile Like A Wolf" sind die ersten Aufnahmen die wir mit ihm gemacht haben (von seinem Guest-Vocal Part bei "Share it Or Leave it" des "Decisions" Albums mal abgesehen).

2) In einer Presseerklärung war zu lesen, dass ihr damit „neue Wege beschreiten“ wollt. Denkst du, dass ihr das in einer Welt, in der man sich jedes beliebige Album etliche Wochen vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin umsonst aus dem Netz ziehen kann, wirklich tut? Oder ergebt ihr euch nicht viel eher nur dem Status Quo?

Chris: Die Tatsache, dass es schon fast "Normalität" ist sich ein Album Wochen vor dem eigentlichen Release-Date im Internet herunterzuladen spricht meiner Meinung nach eine deutliche Sprache. Natürlich ist es zum einen die Ungeduld und teilweise sicher auch eine Art Maßlosikgeit (spätestens bei Leuten die sich Alben von Bands herunterladen die sie gar nicht interessieren - einfach nur um sie zu BESITZEN). Zum anderen ist das aber auch ein Zeichen, dass sich die Leute selbst und unabhängig von der teilweise doch recht manipulativen Promo-Machinerie mancher Labels entscheiden wollen, welche Bands sie hören und später vielleicht auch kaufen, bzw. zumindest auf die Shows gehen, Merch kaufen etc. wollen. Keiner will die Katze im Sack kaufen, viel zu oft haben wir schon ein Album in die Finger bekommen das lediglich 1 oder 2 wirklich gute Songs hatte und das waren dann die, die wir in der Promo bereits aufgetischt bekommen hatten.
Um auf deine Frage zurückzukommen, "neue Wege" beschreiten wir darin, dass wir nicht einfach nur unsere Songs zum Download freigeben und das wars dann. Der in der vorherigen Frage beschriebene Unterschied zwischen einem Gratis-Download und einem "echten" Online-Release ist immens. Was uns auch gleich zu deiner nächsten Frage bringt...

3) Was entgegnest du jemandem, der euch vorwirft, ihr würdet mit „Smile Like A Wolf“ euer Scherflein dazu beitragen, dass Musik als etwas – im wahrsten Sinne des Wortes – „Wertloses“ wahrgenommen wird?

Chris: Wir haben im Vorfeld mit einigen Leuten über unsere Idee eines Online Releases gesprochen und auch wenn die Reaktionen darauf in der Regel sehr positiv waren, gab es in der Tat ein paar Stimmen die genau das als Kritikpunkt angebracht haben. Ich muss dieser Kritik in so weit Recht geben, dass ich es auch als "wertlos" empfinden würde, wenn ab jetzt alle Bands ihre Songs nur noch für Lau ins Internet stellen würden. Der Charme eines physischen Tonträger (egal ob CD oder Vinyl) ist einfach durch nichts zu ersetzen, auch wenn wir mit "Smile Like A Wolf" und unserer "Brenn dir die Songs und druck dir das Booklet aus"-Motivation versuchen das ein wenig aufzufangen. Die Veröffentlichung von Tonträgern auf dem regulären Wege macht schon noch Sinn, was mir jedoch sauer aufstösst ist diese "Friss oder Stirb"-Mentalität die viele Labels heutzutage am Start haben. Da werden CDs von Bands veröffentlicht und durch die "Maschinerie" gejagt. Wenn dann eine Kleinigkeit nicht stimmt, wie zum Beispiel, dass zeitgleich ein viel wichtigeres Release erscheint, geht die Veröffentlichung unter, vollkommen unabhängig davon ob die Scheibe nun gut ist oder nicht. Ich kann das aus Sicht der Hörer/Käufer sehr gut nachvollziehen. Es ist einfach für den Otto-Normalverbraucher UNMÖGLICH von jeder Band die man gut findet oder gut finden könnte immer alle Platte regulär zu erwerben. Dafür muss man schon extrem viel Geld haben.
Meine Idealvorstellung wäre, dass Bands & Labels sich in regelmäßigen Abständen dazu entscheiden den Hörern & Fans ein gratis Online Release zur Verfügung zu stellen. Dann aber auch mit dem entsprechenenden Aufwand. Es gibt irre viele Möglichkeiten wie man so was aufziehen kann, ohne dass die Musik dabei zu einem "wertlosen" Subjekt wird.

4) Wie hat sich dein Musikkonsumverhalten in den letzten Jahren verändert? Kaufst du dir noch Platten? Wie hörst du am liebsten Musik?

Chris: Dazu habe ich ja in den vorherigen Antworten schon den einen oder andern Satz verloren. Das Konsumverhalten passt sich dem Markt an, und dieser wird jedes Jahr mit NOCH MEHR Bands und Releases überschwämmt. Manche Musik-Genres sind so hoffnungslos überlaufen, dass selbst ich als "Musikschaffender" keinen Überblick mehr habe was alles erscheint. Einige Konsumenten reagieren darauf mit Rückzug und kaufen nur noch Platten der Bands die sie schon seit 5 oder 10 Jahren gut finden. Andere Kids gehen den anderen Weg und versuchen sich wie oben bereits beschrieben, möglichst einfach und günstig einen Überblick über die Band-/Release-Flut zu verschaffen.
Privat gehöre ich selbst wohl eher zu den Erstgenannten. Ich kaufe mir nur noch wenig Platten, eigentlich nur noch von Bands bei denen ich weiss, dass sie mit jedem neuen Album wieder Qualität abliefern. Da fallen mir spontan Bands wie RISE AGAINST, MOST PRECIOUS BLOOD, LIFE OF AGONY, AZAD oder KATAKLYSM ein. Aufgrund meiner Arbeit höre ich eigentlich fast nur noch vor dem PC oder auf dem Ipod Musik. Schon alleine aus diesem Grund sind für mich Mp3s als Audio-Format unentbehrlich.

5) Du spielst nicht nur bei THE BLACKOUT ARGUMENT Gitarre, du betreibst auch Let It Burn Records. Sägst du mit dieser ganzen Aktion also nicht auch am Ast, auf dem du sitzt? Wozu braucht eine Band heute noch ein Label?

Chris: Sehr gute Frage! Im Fall von "Smile Like A Wolf" ist es ja eine Kooperation zwischen der Band und Let it Burn Records. Auch wenn das in meinem Fall (fast) eine Personalunion ist, brauchen Bands Labels immernoch und daran wird sich auch nichts ändern. Der organisatorsiche Aufwand einer Release-Veröffentlichung (egal ob online oder physisch) ist immens! Dazu braucht man eine Menge Zeit, Know-How, Kontakte und leider auch Finanzpower. Alles Dinge, die die meisten Bands nicht haben. Ich denke ein Label (oder auch eine Agentur) kann einer Band diese Aufgaben abnehmen, sie somit entlasten und ihr die Möglichkeit geben sich auf das zu konzentrieren was ihr am wichtigsten ist: Songs zu schreiben und Live zu spielen. Insofern wird es immer so eine Art der Zusammenarbeit geben. Was sich allerdings defintiv verändern wird und auch muss, sind die Arbeitsweisen und Strategien der Labels. Let it Burn Records haben mit "Smile Like A Wolf" ihren ersten Schritt in diese Richtung getan.

6) Während der Tonträgermarkt immer weiter einbricht, läuft das Geschäft mit Konzerten so gut wie nie zuvor. Viele große Labels reagieren darauf mit so genannten „360-Grad-Verträgen“ und beteiligen sich an allen Einnahmequellen einer Band, also nicht nur am Erlös von Konzerten, sondern auch am Verkauf von Merchandise. Ist das auch für ein Indie-Label wie Let It Burn eine mögliche Überlebensstrategie? Wie stehst du als Musiker zu solchen Verträgen?

Chris: Als Musiker bin ich immer recht heikel wenn es um Merchandise geht. Mit dem was du schreibst hast du Recht und Merchandise wird immer mehr die einzige verlässliche Einnahmequelle für Bands. Auf der anderen Seite wird natürlich auch der Markt für Merchandise immer härter umkämpft. Wenn man heute auf eine Konzert geht auf dem 5 Bands spielen hat jede davon mindestens 4-5 Shirt Designs, Zipper, Hoodies, Patches, etc. Auch hier muss ein Umdenken statt finden, es reicht einfach nicht mehr ein paar Shirts zu drucken und dann drauf zu hoffen dass diese "schon irgendwer kaufen wird".
Aus Labelsicht muss ich sagen dass es immer vom Gesamt-Deal abhängt. Wenn ein Label einer Band beispielsweise extrem gute Royalty-Rates oder monströse Studiovorschüsse anbietet, muss es diese natürlich auch irgendwie wieder kompensieren. Da halte ich es nicht für abwägig sich am Merchandise Geschäft zu beteiligen. Das ist allerdings immer Verhandlungssache und von Fall zu Fall unterschiedlich. Deshalb kann ich da jetzt kein klares "ist voll in Ordnung" oder "ist der totale Dreck" aussprechen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass sich die Bands ihre Verträge genau ansehen bevor sie diese unterzeichnen, besonders wenn etwas zum Thema Merchandise drin steht.

7) Spiel doch mal den Hellseher und verrate uns, wie sich die Musikindustrie in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verändern wird.

Chris: Das ist ja gerade das spannende: Niemand weiss das!!! :-) Ich schätze aber mal, dass es zwei drastische Entwicklungen geben wird. Die eine hat bereits begonnen und hängt mit den Möglichkeiten des Internets zusammen. Musik wird noch schneller, noch einfacher und (hoffentlich) noch günstiger zügänglich gemacht werden. Die Barrieren der Illegalität werden sich weiter dehnen und irgendwann brechen. Aus der "Anarchie" im Internet wird im gegenseitigen Einverständnis der drei Parteien (Künstler, Labels und Fans) auf kurz oder lang eine geordneter Raum entstehen, der alle Seiten zufrieden stellt.
Die andere Entwicklung ist abhängig vom Nachfolger der CD. Die Compact Disc ist als Tonträger bereits ziemlich in die Jahre gekommen und veraltet. Die Beschränkung auf Stereo-Sound (auch hier wird es ohne Frage eine Weiterentwicklung in der Recording-Technologie geben), nur 70 Minuten Spielzeit und Empfindlichkeit der CD sind einfach als Nachteile nicht von der Hand zu weisen. Während das Vinyl noch einen großen nostalgischen Wert hat (analog, große Cover, umständliche Abspielgeräte, etc.) ist die CD im digitalen Zeitalter eher so eine Art "Übergangsformat" gewesen. Was als nächstes kommt ist schwer zu sagen, ich denke aber, dass es noch mal einen physischen Tonträger geben wird bevor komplett alles mit dem Internet verschmilzt. Dazu ist der bereits erwähnte Charme eines physischen Tonträgers, das in den Händen halten eines echten Booklets und das ritualisierte Ein-/Auf-legen des Tonträgers in/auf ein Wiedergabe gerät einfach zu groß ;-)



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THE BLACKOUT ARGUMENT
Stardust Magazin (Germany) | 2008-05-01

Ihr habt euch mit der EP “Smile Like A Wolf“ für einen Veröffentlichungsweg über das Internet entschieden und verschenkt die EP als download. Einige grössere wie auch kleiner Bands haben diesen Weg auch schon eingeschlagen, was glaubt ihr, wird sich dieser Trend fortsetzen und welche Vorzüge birgt dies auch?

Chris: Wir hoffen es! Wir sind ja selbst auch allesamt Musik-Fans und aus der Sicht der Hörer wäre es natürlich großartig wenn sich auf Lange Sicht immer mehr Bands und Labels dazu entscheiden würden, von Zeit zu Zeit ausgwählte Veröffentlichungen gratis anzubieten. Wenn wir mit „Smie Like A Wolf“ einen Teil dazu beitragen können, dass sich der Trend weiter in diese Richtung entwickelt, sind wir sehr stolz darauf!
Die Vorzüge liegen auf der Hand: Der Markt wird Monat für Monat überflutet mit einer Vielzahl von Veröffentlichungen. Als normaler Musik-Fan hat man aufgrund der hohen Endverkaufspreise von CDs gar keine Chance mehr da den Überblick zu behalten. Es kann also nur im Interesse der Labels und Bands sein, einen Schritt auf die Fans zuzugehen indem man sich dazu entscheidet das eine oder andere Release gratis anzubieten. Das Internet ist hierfür natürlich die ideale Vertriebsplattform, da so gut wie keine logistischen Kosten entstehen. Fast jeder hat Zugriff auf das Internet und ein entsprechendes Wiedergabegerät um Mp3s oder ähnliche Formate abzuspielen. Allerdings müssen diese Online-Releases die gleiche Qualität haben wie physische Tonträger. Es wird nicht reichen einfach ein paar mehr oder weniger brauchbare Songs auf Myspace hochzuladen.

Gibt es in dieser Hinsicht auch Nachteile?

Chris: Der große Nachteil ist zunächst mal, dass auf Label/Band-Seite kosten entstehen die nicht direkt kompensiert werden können. Auf lange Sicht zahlt sich das aber definitiv aus. Es ist ja nicht so, dass die Kids kein Geld mehr haben oder es nicht mehr ausgeben wollen. Die Booking-Branche boomt, ebenso die Merch-Verkäufe. Die Leute haben einfach nur die Schnauze voll, dass an einem Tonträger jeder mitkassiert, Einzelhandel, Vertrieb, Label und erst ganz am Ende die Band. Ich höre immer wieder auf Konzerten, dass die Kids extra warten bis ihre Lieblingsband in ihrer Stadt spielt um dann an deren Merch-Tisch die CD und ein Shirt zu kaufen, Geld das der Band DIREKT zu Gute kommt.
Ein anderer Nachteil bzw. Nährboden für Diskussionen ist die Frage ob bei einer Gratis Veröffentlichung nicht der „Wert der Musik“ auf der Strecke bleibt. Wir haben uns im Vorfeld der Veröffentlichung von „Smile Like A Wolf“ mit einigen Leuten darüber unterhalten und sind aber immer wieder auf das gleiche Ergebnis gekommen: Wenn die Qualität der Gratis/Online Releases stimmt, sprich hervorragendes Song-Material, es gibt ein Cover-Artwork, zusätzliche Bandinformationen, Texte werden bereitgestellt etc., dann bleibt der „Wert der Musik“ erhalten und der Hörer, welcher sich die Song herunter läd, wird an anderer Stelle die Arbeit der Band honorieren. Uns war es bei „Smile Like A Wolf“ wichtig mindestens genauso viel Zeit, Kraft und Geld zu investieren wie bei unseren anderen, physischen, Tonträgern auch und ich glaube das merkt man auch wenn man auf www.smilelikeawolf.com surft.

Wann kommt der Zeitpunkt, wo es in der Musikindustrie wirklich ein Umdenken stattfinden muss damit Band wie auch Label überleben können?

Chris: Der ist bereits längst überschritten. Wie in jedem anderen Business ist es dumm zu warten bis Kacke am dampfen ist bevor man etwas ändert sondern man muss reagieren sobald die ersten Zeichen einer neuen Entwicklung auftauchen, und die sind bereits seit Jahren da. Die CD-Verkäufe, auch von bereits etablierten Bands, brechen kontinuierlich weiter ein und es wird härter und härter neue Bands mit den herkömmlichen Vertriebs- und Vermarktungs-Strategien auf dem Markt zu etablieren. Ich denke also dass es höchste Zeit ist für Bands und Labels umzudenken.

Erstaunlich bei der ganzen Sache ist ja aber auch der Umstand, dass Vinyl bei der Käuferschaft wieder beliebter wird, ist dieser Umstand nicht auch irgendwie paradox?

Chris: Stimmt, das ist scheinbar paradox, wenn man diesen Umstand jedoch genauer betrachtet macht es durchaus Sinn: Im Vergleich zur CD hat die Vinyl-Schallplatte einen extrem hohen nostalgischen Wert. Die CD ist eher so eine Art „Übergangsmedium“ vom analogen Zeitalter ins digitale. Das merkt man besonders an den großen Schwächen dieses Tonträger-Formates: Nur 70 Minuten Spielzeit, limitiert auf Stereo-Sound, nur begrenzt haltbar / widerstandsfähig, etc. Die CD ist veraltet und wird so oder so in den nächsten Jahren von einem anderen Medium abgelöst. Wahrscheinlich wird es noch einen weiteren physischen Tonträger geben bevor das ganze dann komplett mit dem Internet / der digitalen Welt verschmilzt.
Das Vinyl hingegen ist einfach so veraltet, dass es, wie bereits oben erwähnt, einen extrem großen nostalgischen Wert hat. Die großen Cover, die umständlichen, mechanischen Wiedergabegeräte, der unzureichende Klang (Vinyl-Sound-Fetischisten verzeiht mir, aber es ist einfach ein Fakt dass, wenn man keinen 2000 Euro Schallplattenspieler und eine extrem gute Stereoanlage mit detaillierter Equalizer-Funktion hat, gewisse Frequenzen einer Aufnahmen verloren gehen) und das Wenden der Platte versprühen einfach einen Charme der durch nichts zu ersetzen ist. Deswegen bin ich der festen Überzeugung dass es Vinyl noch geben wird wenn die Leute schon gar nicht mehr wissen was eine „Compact Disk“ war.
Da wir uns dieser Bedetung von physischen Tonträgern, insbesondere Vinyl, bewusst sind, haben wir uns auch dazu entschlossen von „Smile Like A Wolf“ eine limitierte 7inch-Vinylversion zu veröffentlichen. Das ganze erscheint im Juli auf BLACKTOP RECORDS.

Kommen wir auf die Band zu sprechen Bei euren Veröffentlichungen fällt auf, dass eure Texte in einer sehr persönlichen Note gehalten werden, wie geht ihr an das Songwriting ran?

Chris: Stimmt, unsere Texte sind allesamt sehr persönlich gehalten. Raphael (Sänger) und Ich schreiben die Texte und uns ist es wichtig dass diese ehrlich sind. Stumpfe politische Parolen oder fiktive Gedankengerüste sind schnell geschrieben, allerdings habe ich hierbei als Hörer oft das Gefühl, dass die Band bzw. der Sänger nichts von dem wirklich lebt oder fühlt was er da auf der Bühne oder der CD präsentiert. Glaubwürdigkeit von Bands ist heute eh schon eine Seltenheit geworden und wenn ich dann auch noch vollkommen austauschbare Texte präsentiert bekomme, die von jeder X-beliebigen anderen Band stammen könnten, macht es die Lage kein deut besser.
Raphael und Ich schreiben über Dinge die uns bewegen, Dinge die wir erleben, die uns als Individuen lenken, motivieren, beeinflussen oder auch zurückwerfen. Zwar geht es hierbei um UNSER Leben, die Gefühlswelten in denen wir als menschliche Lebewesen umherwandern sind jedoch bei allen irgendwie ähnlich, deshalb bekommen wir sehr oft Rückmeldung, dass sich Leute in unseren Texten wieder finden. Ein großartiges und sehr bewegendes Kompliment!!

Was ist so die Kernaussage von der „Smile Like A Wolf“ EP?

Chris: Die Texte auf „Smile Like A Wolf“ stammen größtenteils aus der Feder unseres Sängers Raphael und reflektieren die drastischen Veränderungen die in den letzten Monaten in ihm und um ihn herum stattgefunden haben. Das reicht von krassen Erfahrungen in seinem Beruf als Heilerziehungspfleger über den Beginn eines neuen Lebensabschnittes bis hin zur Verarbeitung von unvermeidbaren Verlusten.

Ihr seit ja eine ziemliche aktive Band, ich könnte mir ansonsten 3EP`s und eine Full-Lenght innerhalb von 2 Jahren nicht anders erklären, sprudelt bei euch die Ideen für Sound und Texte einfach so oder kommt euch da auch eure langjährige Erfahrung in anderen Bands zu gute?

Chris: Wir haben das Glück, dass wir von Anfang an ein sehr gutes Team waren wenn es um Songwriting geht. Wir müssen viele Dinge nicht erklären sondern spielen sie einfach. Wo andere Bands Stunden und Stunden im Proberaum verbringen um an einem einzigen Teil zu feilen, schaffen wir teilweise pro Bandprobe einen Song, sofern wir natürlich konzentriert arbeiten. Was da sicher auch mit reinspielt ist die große Kompromiss-Bereitschaft aller Songwriter in der Band. Wir haben bei Blackout Argument keine Selbstdarsteller oder Egoisten, die um jeden Preis ihre Ideen / Riffs durchsetzen wollen. Wir hören darauf „was der Song will“ und das ist meistens weniger als mehr. Was am Ende heraus kommt ist wie bei allen anderen Bands ein Kompromiss der beteiligten Songwriter, bei uns geht das einfach nur schneller und unkomplizierter. Wir sitzen jetzt schon wieder an den Arbeiten für unser nächstes Album auf Lifeforce Records welches im Januar 2009 erscheinen wird.

Auch Live seid ihr so ziemlich eine aktive Band, gibt es bei all dieser Aktivität nicht auch mal gewisse Ermüdungserscheinungen?

Chris: Natürlich gibt es die. Ich glaube jeder bei uns hat von Zeit zu Zeit Momente wo er im Tourbus sitzt und sich ausmalt mit der Freundin am See zu liegen und sich die Sonne auf den Hintern scheinen zu lassen. Gerade auf langen Strecken kann so was echt zermürbend sein. Wenn wir dann allerdings auf der Bühne stehen und „unsere 40 Minuten“ haben, dann ist das alles wie weg gefegt! Keiner der selbst nicht in einer Band spielt und mal auf einer Bühne gestanden hat kann das nachvollziehen, aber mit diesen 40 Minuten kann man all die Zeit, Kraft und Stress die man hat wieder wett machen.

Wenn wir schon bei dem Thema Live und Konzerten sind, ihr habt ja schon mit zig anderen Bands die Bühne geteilt und Shows gespielt, sei es mit grösseren Kaliber wie Boy Sets Fire, Shai Hulud oder Comeback Kid aber auch mit Szenenhelden der Sorte Solid Ground oder Teamkiller. Gibt es für euch eine Band, mit der ihr gerne mal auftreten würdet?

Chris: Stimmt, unser Live-Schedule ist seit Tag 1 ziemlich bunt womit wir aber auch echt glücklich sind! Es wäre für uns das schlimmste wenn jeder Konzert gleich wäre, immer vor den selben Leuten, immer in den gleichen Clubs und immer mit den selben Bands. Wir landen auch mega oft auf irgendwelchen Shows/Festivals wo wir dann die einzige Band sind die unseren Musikstil spielt. Das ist dann meistens eine ziemliche Herausforderung (überzeuge mal 200 Metalheads, dass auch hardcore/punk Mucke Freude machen kann hahaha!) aber wir stehen drauf ;-)
Um auf deine Frage zurückzukommen: wir würden SEHR gerne mal mit Evergreen Terrace auf Tour gehen, da wir die Band alle persönlich sehr cool finden und die Jungs auch ein ziemlich witziger Chaoten-Haufen zu sein scheinen. Hat sich bisher noch nicht ergeben, aber ich bin mir sicher dass das in Zukunft mal der Fall sein wird. Ansonsten natürlich mit unseren Freunden von THE CASSIDY SCENARIO aus Österreich was aber am 10.8. in München passieren wird!

Was macht für euch die perfekte Show aus?

Chris: Auf jeder Show gibt es eine Vielzahl von Faktoren die Einfluss darauf haben ob es eine coole Show wird oder nicht. Das fängt beim Catering an, geht über den Bühnen- & PA-Sound, die Beschaffenheit des Clubs, bis hin zur Publikumsreaktion. Auch wie wir selbst mit uns zufrieden sind und wie die Stimmung auf der Bühne allgemein ist spielt eine große Rolle. Ebenso mit wem man zusammen spielt, eventuell neue Leute kennen lernt, etc. Wenn das alles passt und im Einklang ist, DANN ist es eine perfekte Show.

In den letzten Jahren, hatte der Hardcore eine Art Konjunktur, seit 2007 flaut die Sache meiner Meinung nach wieder ein kleines bisschen ab, wie seht ihr die ganze Sache von der Front her aus?

Chris: Die Hardcore-Szene unterliegt mehr als andere Subkulturen einem ständigen Strom von Trends und neuen Entwicklungen. Die meisten davon sind jedoch ziemlich klein und für Außenstehende kaum erkennbar. Die letzte große Entwicklung, der kommerzielle Erfolg der musikalischen Kombination aus Hardcore und Metal, hat natürlich dazu beigetragen, dass die Hardcore Szene sehr viel Zuwachs erhalten hat und auch in den Medien sehr präsent ist. Das faszinierende an der Hardcore-Szene ist jedoch, dass jede kommerzielle Entwicklung dazu führt, dass sich ein „harter Kern“ erneut abspaltet und sich auf die ursprünglichen Werte zurück besinnt. Dinge wie der DIY-Gedanke, die Selbstbestimmung der Musikschaffenden, eine starke Community, Straight Edge, political awareness, etc. mögen vielleicht Zeitweise in den Hintergrund rücken, dennoch bilden sie das Rückrad dieser Subkultur und daran wird sich auch die nächsten 30 Jahre sicher nichts ändern egal welche Trends kommen und gehen.

Was hältst du von den ganzen Reunion Tourneen, die vor allem im 07 stark vertreten waren?

Chris: Puh, das ist immer schwer zu verallgemeinern. Prinzipiell bin ich immer offen für so was, besonders wenn es sich um Bands handelt die ich aufgrund meines „jungen alters“ (schließlich bin ich erst 29 hahahaha!) zu „ihrer Zeit“ nicht mehr sehen konnte. Was ich aber nicht sehen möchte sind alte Säcke die sich verzweifelt auf der Bühne abmühen (oder nicht mal das…) entweder um ihre Jugend noch mal aufleben zu lassen oder um die privaten Geldbeutel etwas zu füllen. Wenn ich allerdings Bands sehe die sich wieder zusammenfinden und auf der Bühne mehr Energie und Spielfreude versprühen als die meisten ihrer Nachfolger, dann bin ich Feuer und Flamme und freue mich über jede Band die es noch mal wissen will. Gute Positiv-Beispiele sind die GORILLA BISCUITS oder auch THE PATH OF RESISTANCE. Auf beiden Shows hatte ich eine MENGE Spaß hahaha!

Welche Bands aus alten Tagen mögt ihr selber besonders?

Chris: 5 Bandmitglieder, 5 verschiedene Antworten. Da ich jetzt aber das Interview beantworte bekommst du MEINE Faves zu hören ;-) Die bereits erwähnten Gorilla Biscuits oder Path Of Resistance (auch wenn’s die 90er waren) sind natürlich meine Faves. Aber auch die gesamte New Age Records Ära, also der Hardcore der frühen 90er Jahre steht bei mir ganz hoch im Kurs. Bands wie UNBROKEN, OUTSPOKEN, MEAN SEASON, STRIFE, TRIAL, LIFETIME, STRAIN, SNAPCASE, EARTH CRISIS, TURNING POINT oder UNDERTOW haben mich massiv als Mensch und Musiker stark geprägt.

Wie sieht es mit Bands aus der heutigen Zeit aus?

Chris: Es kommen jedes Jahr eine Vielzahl neuer und vielversprechender Bands nach und als Betreiber eines Indie-Labels versuche ich natürlich da den Überblick zu behalten was nicht immer so leicht ist. Zu den neuen Bands die ich selbst extrem cool finde und von denen man mit Sicherheit noch einiges hören wird zählen zum Beispiel TODAY WE RISE, LOWER HELL, THE CASSIDY SCENARIO, RED TAPE PARADE, PANGAEA oder BANG BANG YOU DEAD.

Zum Abschluss, was kann man von euch in der zweiten Jahreshälfte noch so alles erwarten?

Chris: Wir sind schon wieder voll in Action! Am 11.7. ist die „Smile Like A Wolf“ Release-Party in München, im August geht es auf Europa-Tour mit ARCHITECTS aus UK. Bis dahin wird die meiste Zeit ins Songwriting fließen da wir Anfang September dann ins Studio gehen um unser zweites Album auf Lifeforce Records aufzunehmen. Langweilig wird uns also sicher nicht ;-)

Letzte Worte…

Chris: Zunächst mal vielen Dank für das Interview! Und an alle leser: checkt „Smile Like A Wolf“ aus und gebt uns Feedback zu den neuen Songs und der Aktion allgemein. Wir sind heiss auf eure Meinung! ;-) Ansonsten quatscht uns auf Shows an, auch wenn wir merkwürdig aussehen sind wir alllesamt coole Dudes! ;-)



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THE BLACKOUT ARGUMENT
Squealer Rocks (Germany) | 2007-09-13

Mit dem The Blackout Argument Gitarristen Chris Zehetleitner fand sich ein Musiker auf dem „Squealer-Rocks.de Sofa“, der nicht über den Sound seiner Band, sondern auch über die Szene ganz genau Bescheid weiß. Zudem ist nicht jeder Münchner ein Fußballfan.
Squealer-Rocks.de: Hi Chris! Erstmal Glückwunsch zu euerem mehr als achtbaren Debüt DECISIONS, das diesen Titel nicht nur auf dem Cover, sondern auch in dem Wichtigsten, der Musik, unterbringt. Denn auf diesem Rundling bekommt der Hörer wahrlich einiges an Vielfalt geboten, so dass er aus der Masse an ähnlichen Veröffentlichungen definitiv herausragt. Steht dieser Facettenreichtum für eueren sich entwickelnden Stil oder wollt ihr euch so nur alle Richtungen für die Zukunft offen halten?

Chris Zehetleitner: Vielen Dank für dein positives Feedback. Wir bekommen öfters zu hören, dass unsere Musik, obwohl sie nicht übermäßig komplex ist, sehr eigenständig und abwechslungsreich klingt. Da steckt jedoch kein tieferes Konzept dahinter und auch unseren Stilfindungsprozess haben wir bereits abgeschlossen. Bei genauerer Betrachtung kann man unsere Musik auf sehr wenige Bestandteile herunterbrechen. Da gibt es einen klassischen Hardcore-Einfluss, der vor allem in den Gitarren-Riffs und Song-Strukturen zu hören ist. Das Drumming ist in der Regel recht rock-lastig, also treibende Beats die zwischen Mid-Tempo, schnelleren Sachen und Grooves abwechseln. Und als letzte Komponente kommt noch eine große Portion Melodie hinzu, die man natürlich im Gesang, aber auch in den Lead-Gitarren hören kann. Das ist im Endeffekt alles.

Squealer-Rocks.de: Du sprichst das nächste Thema somit bereits an. Interessant ist auf jeden Fall die Mixtur, die in nahezu allen Songs des Albums zum Tragen kommt. Demnach geht die geballte Härte stets in etwas Schönem (z.B. einem prägnanten Chorus) auf. Eine unerlässliche Symbiose, um die Hörerschaft für sich zu gewinnen, oder?

Chris Zehetleitner: Beim Schreiben der Songs denken wir eigentlich zunächst nicht an die Leute, die das am Ende hören/kaufen werden. Wir machen einfach das, worauf wir Lust haben und was sich für uns gut anfühlt. In den meisten Fällen sagt einem der Song was er haben will und oftmals ist das weniger als der Musiker denkt. Ein Fehler den viele Bands machen… sie überladen ihre Songs nur um sich selbst als Musiker gerecht zu werden.

Squealer-Rocks.de: Damit jedoch so etwas "Schönes" entstehen kann, braucht es selbstredend auch die richtigen Leute. Und in Sinan Akilli steht ohne Frage DER Richtige am Mikro. Wie schwer ist es eigentlich für einen Sänger den Wechsel vom aggressiven Shouting auf das gefühlvolle Singen zu bewerkstelligen?

Chris Zehetleitner: Rein technisch ist das kein großes Problem, schließlich muss ein Sänger ja auch in der Lage sein die Songs live umzusetzen, also darf ihn weder die Schrei- noch die Gesangs-Stimme überanstrengen. Das ist alles eine Frage der Technik, die man ohne Zweifel beherrschen muss, wenn man diese Art von Musik spielt.

Squealer-Rocks.de: Mit "My Life In Spoken Words" befindet sich ein sehr fragiler Track an Bord von DECISIONS. Um welches bzw. wessen Leben handelt es sich hierbei und wie seid ihr auf die Idee gekommen, die Lyrics als memoirische Lesung einzubauen? Des Ambientes wegen?

Chris Zehetleitner: Uns ist dieser Song sehr wichtig, da er fester Bestandteil des Konzepts ist, welches sich um DECISIONS dreht und die Texte, das Artwork, die Linernotes und die Musik miteinander verbindet. Den Text habe ich geschrieben und gesprochen hat ihn Geert van der Velde (Sänger der Miscreants), der auch zum Song "I Against" Guest-Vocals beigesteuert hat. Die Beats und das Programming stammt aus der Feder (oder besser der Mouse) von Kristian "Kohle" Kohlmannslehner.

Squealer-Rocks.de: Eins muss ich euch gestehen: Eine sinnvolle, euch perfekt beschreibende Genrebezeichnung ist mir (selbst nach reiflicher Überlegung) nicht eingefallen, weswegen ich einige Hauptbestandteile herausgefiltert habe (Metal-/Emocore / Punk Hardcore). Hast du eine Eigenkreation parat, unter der ihr zukünftig rezensiert werden wollt (lacht)?

Chris Zehetleitner: Uns wird zwar immer wieder ein gewisser Metal-Einfluss angedichtet, den kann ich aber beim besten Willen nicht hören / nachvollziehen. Für uns eine passende Genre-Bezeichnung zu finden ist in der Tat schwierig, was ich jedoch als eine Stärke von The Blackout Argument sehe. Wir können aber mit "melodischer Hardcore" oder "Hardcore-Rock" sehr gut Leben, ist halt wichtig für Flyer und so'n Zeug (grinst).

Squealer-Rocks.de: Mit dem von Dir bereits erwähnten Geert van der Velde (Ex-Shail Hulud, Miscreants), Byron Davis (God Forbid) und Benni Buss (Flowing Tears) durften sich drei namhafte Gastsänger auf "Decisions" verewigen. Wie kam diese Kooperation zustande?

Chris Zehetleitner: Der Kontakt zu Geert bestand schon einige Zeit, da ich ihn ja von den Miscreants und der Zusammenarbeit mit meinem Label Let it Burn Records her kannte. Den Kontakt zu Byron und Benni hat uns Melanie, eine Freundin, vermittelt wofür wir ihr auch sehr dankbar sind. Die Zusammenarbeit war zwar nicht so ganz leicht, da das Ganze online verlief, aber das Ergebnis ist cool, besonders Benni konnte einiges zum Album beitragen!

Squealer-Rocks.de: Da ihr mit The Blackout Argument noch am Anfang einer hoffentlich langen Karriere steht, passt diese Frage sehr gut. Und zwar habe ich mich in meinem letzten Interview mit Bruno Spring von The Order über den übersättigten Musikmarkt, in dem wahre Qualität gerne mal untergeht, unterhalten. Wie beurteilst du diesen Markt aus euerer "Newcomer-Sicht"? Wie schwer ist es, um aus diesem Veröffentlichungsmeer an das Ufer der Beachtung zu gelangen?

Chris Zehetleitner: Das ist in der Tat ein spannendes Thema, über das ich mir auch persönlich viele Gedanken mache, da ich mit Let It Burn Records ja nebenher noch ein kleines Indie-Label betreibe. Ich denke, dass der Markt besonders im Bereich Metalcore überlaufen ist. Der Trend hält nun schon drei bis vier Jahre an, inzwischen haben sich jedoch ein paar Bands herauskristallisiert, die nach wie vor erfolgreich sind, angeführt natürlich von den großen Namen aus den USA. Dann gibt es ein schmales Mittelfeld, das so vor sich hindümpelt, über ihren aktuellen Status jedoch nicht mehr hinauskommen werden. Der größte Teil besteht jedoch aus kleinen, noch eher unbekannten Bands die im Punkte Qualität zum Teil leicht mit den "Großen" des Genres mithalten könnten, jedoch einfach keinen Fuß fassen können. Wenn man auf diesem Markt noch eine neue Band pushen will, zählt weniger die Qualität der Musik, sondern mehr die Aggressivität des Marketings. The Sorrow sind hierfür ein gutes Beispiel. Nicht dass die Jungs schlecht sind in dem was sie tun, ganz und gar nicht, aber die Marketing-/Promo-Kampagne, die ihr Label für das Debütalbum gestartet hat, war einfach BRUTAL! Nur so scheint es heutzutage noch zu funktionieren, was, besonders für junge talentierte Bands, die KEIN großes Label im Rücken haben, wirklich schade ist. Vor allem auch, weil diese Situation oft dazu führt, dass sich diese Bands versuchen stilistisch anzubiedern, anstatt einfach das zu tun, worauf sie Lust haben. Ich denke, da liegt auch der Schlüssel zu einem qualitativ hochwertigen Album: Es muss authentisch sein. Wenn ich das Gefühl habe, dass die Band 100%ig hinter dem steht was sie tut, dann reißt mich ihre Musik auch leichter mit. Das ist für mich die "Qualität", die ich leider bei vielen Bands heutzutage vermisse.

Squealer-Rocks.de: Wie sieht jetzt, da das Debüt auf die Massen losgelassen wurde, euer weiterer Fahrplan in der nahen Zukunft aus? Spielt ihr mit dem Gedanken der Welt alsbald den Stempel namens "The Blackout Argument" aufzudrücken?

Chris Zehetleitner: Genauso werden wir's machen (lacht). Natürlich werden wir bis Ende des Jahres noch eine Menge Shows spielen um DECISIONS zu supporten. Ich denke, wir werden wohl in jeder Region in Deutschland mal vorbei schauen.

Squealer-Rocks.de: Entfernen wir uns mal etwas von der Musik. Und wenn ich es schon mal mit Münchnern zu tun habe: Bayern oder 1860? - wehe du sagst was Falsches (lacht).

Chris Zehetleitner: So weit ich weiß sind wir eine der wenigen Bands, die keine fanatischen Fußballfans in ihren Reihen hat. Aber wenn ich wählen MÜSSTE, dann selbstverständlich 1860!

Squealer-Rocks.de: Das war's dann auch schon. Ich hoffe, wir sehen uns mal bei einem euerer Konzerte. Die letzten Worte gehören Dir!

Chris Zehetleitner: Vielen Dank für das Interview und den Support. Jeder ist herzlich eingeladen unsere MySpace-Seite auszuchecken, da kann man das ganze Album als Stream anhören und findet ne menge anderer witziger und unnützer Sachen.



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THE BLACKOUT ARGUMENT
Metal News (Germany) | 2007-09-09

Vor nicht mal fünf Monaten hatten wir Chris Z von der aufstrebenden melodic Hardcore-Kombo THE BLACKOUT ARGUMENT schon einmal auf der Metalnews-Interview-Couch; damals zur ihrer gerade re-releasten Doppel-MCD „Munich Valor“/“Munich Angst“. Jetzt steht bereits das erste Full-Length „Decisions“ mit neuem Label im Rücken auf der Matte und so baten wir den Gitarristen, nochmals Rede und Antwort zu stehen...


Hell-O, Chris! Alles klar bei Dir? „Decisions“ ist ja vor Kurzem erschienen – wie ist die Stimmung im TBA-Lager?

Super, wir sind alle sehr euphorisch was das Release angeht, schließlich haben wir lange drauf gewartet, dass es endlich erscheint.


Zuerst mal eine Frage zu Thema Sinan, Eurem Sänger – was ist denn da passiert? Still und heimlich hat sich da ein neues Gesicht eingeschlichen...?

Stimmt, Sinan ist nicht mehr bei uns. Der neue Mann an den Vocals heisst Raphael. Wir haben bisher 5 Shows mit ihm gespielt und es hätte nicht besser laufen können. Auch die Feuerprobe, die Releaseparty in München vor all unseren Die-Hard-Fans war ein voller Erfolg. Wir haben tonnenweise positives Feedback auf Raphael bekommen, sowohl stimmlich, als auch von seiner Live-Präsenz.


Wie läuft das nun mit den Texten? Die sind ja doch so etwas wie Euer Markenzeichen und ich vermute mal stark, dass die auf Sinans Mist gewachsen sind...?

Nein, da wird sich nicht allzuviel ändern. Erstens weil ich bisher die Hälfte der Texte geschrieben habe und zweitens weil Raphael ein ähnliches Verständnis / eine ähnliche Herangehensweise hat, sich lyrisch auszudrücken. Ich freue mich drauf mit ihm Songs & Texte zu schreiben, ich denke die nächsten Wochen werden wir damit anfangen.


Bleiben wir beim Thema „Singen“ - ich hatte es, glaube ich damals schon beim Re-Release von „Munich Angst“/“Munich Valor“ angesprochen... der [meiner Meinung nach nicht sonderlich gekonnte] cleane Gesang oder zumindest so, wie er hier dargeboten wird, steht Euch überhaupt nicht zu Gesicht – Eure Stärken liegen wo anders; nämlich dabei, richtig [melodischen] Krawall zu veranstalten. Warum habt Ihr denn nicht auf mich gehört sondern noch[!] mehr klaren Gesang eingebaut? ;)

Hehehe, wenn wir uns jedes Review so zu Herzen nehmen würden, wie Du uns das gerade vorschlägst, wären wir schon lange mit Schizophrenie in einer geschlossenen Anstalt gelandet! ;-) Genau die Sachen die Redakteur X kritisiert lobt Redakteur Y in den Himmel. Weißt Du, der Trick ist ganz einfach: Wir tun das, worauf wir Lust haben. Der melodische Gesang war seit jeher fester Bestandteil unserer Songs und die Wahl Sinan [und jetzt Raphael] als Sänger zu engagieren, basierte zum großen Teil auf seinen musikalischen Fähigkeiten, besonders auch im cleanen Gesang. Sinan hat eine fantastische Stimme, die wir alle lieben und die genau das widerspiegelt, was wir mit THE BLACKOUT ARGUMENT musikalisch sagen wollen. Bei Raphael verhält es sich genauso, wobei ich zugeben muss, dass seine Stimme noch etwas ausgereifter und „sicherer“ ist als Sinans.
Und jetzt noch eine kleine „Shocking Info“: „Decisions“ wurde fast ein halbes Jahr VOR „Munich Valor“ geschrieben und aufgenommen. Es ist also, streng genommen, nicht unser „musikalischer aktueller Stand“ auch wenn es unser aktuellstes Release ist. Wir selbst sehen das Album jedoch als ebenbürtig mit „Munich Valor“ auch wenn es, wie du richtig erkannt hast, unterm Strich melodischer ausgefallen ist. Es bleibt also spannend wie unser NÄCHSTES Album klingen wird. Du darfst uns natürlich gerne wieder Deine Empfehlungen mitteilen. ;-)


Worauf Du Dich verlassen kannst, mein Lieber! ;-) „My Life In Spoken Words“ hat mich ja gleichermaßen überrascht wie begeistert. Melancholisch, chillig und auch von jemandem gemacht, der gerne mal Lounge-Musik hört, möchte ich meinen. Wer hat denn den Text geschrieben und vor allem gesprochen – klingt für mich nicht nach einem Deutschen, oder ist das ein Sample und Ihr habt dreist geklaut, hehe?

Vielen Dank. Uns ist dieser Song auch sehr wichtig, da er fester Bestandteil des Konzepts ist, welches sich um „Decisions“ dreht und die Texte, das Artwork, die Linernotes und die Musik miteinander verbindet. Den Text habe ich geschrieben und gesprochen hat ihn Geert van der Velde [Sänger der MISCREANTS], der auch zum Song „I Against“ guest vocals beigesteuert hat. Die Beats und das Programming stammt aus der Feder [oder besser der Mouse] von Kristian Kohlmannslehner. Wir hatten zwar schon ein paar Beats / Ideen vorbereitet, Kohle wollte das dann aber noch mal überarbeiten. Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden.


Fettes Artwork übrigens! Wie kam es denn zur Zusammenarbeit mit Sons Of Nero, die ja vornehmlich für größere Ami-Bands arbeiten bzw. gearbeitet haben – verlangen die nicht ordentlich Asche?

Wir kannten Sons Of Nero schon von einer früheren Zusammenarbeit bezüglich Merch, deshalb war der Kontakt bereits vorhanden. Wir brauchten das Artwork sehr kurzfristig was die Sache natürlich noch mal erschwerte, aber Aaron Marsh mochte die Musik und das Konzept des Albums; also erklärte er sich spontan dazu bereit, das Artwork in wenigen Wochen fertig zu stellen.


Wie sieht es denn für den Rest des Jahres aus bzw. was sind die weiteren Planungen, um „Decisions“ ordentlich zu promoten? Jobs kündigen und einmal rund um den Globus?

Die Frage bezüglich Jobs bekommen wir in letzter Zeit oft gestellt in Interviews. Die Band entwickelt sich sehr schnell und ist schon lange über den Level eines reinen Hobbies, das man mal eben am Wochenende „betreibt“ hinausgewachsen. Trotzdem wäre es einfach nur dumm, ins Blaue hinein unsere Jobs zu kündigen und alles auf eine Karte zu setzen. So was geht in der Regel immer nach hinten los. Wir werden wie bisher weitermachen und freuen uns über jede neue Stufe, die die Band erreicht. Sollten wir irgendwann mal an den Punkt kommen, wo es tatsächlich Sinn macht, sich über „die Band als Beruf“ Gedanken zu machen, können wir das immer noch abwägen.
Bis Ende des Jahres werden wir natürlich noch eine Menge Shows spielen, darunter auch einige der NEVER SAY DIE FESTIVALS mit COMEBACK KID, PARKWAY DRIVE und THIS IS HELL..


Well, Chris! Das war's schon wieder! Ich danke für Deine Zeit und das Interview! Die letzten Worte sind die Deinen! :)

Vielen Dank für das Interview. Checkt unser MySpace aus, da kann man sich das ganze Album als Stream anhören, genau das richtige für alle, die sich selbst ein Bild machen wollen was es mit „Decisions“ auf sich hat ;-)



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THE BLACKOUT ARGUMENT
Partyausfall (Germany) | 2007-08-05

partyausfall.de: Könntet ihr euch zuerst einmal kurz vorstellen und die Positionen in der Band beschreiben?


Chris: Hey, Chris hier, ich spiele Gitarre bei The Blackout Argument. Neben mir auf der Bühne stehen Philip (Drums), Sascha (Bass), Raphael (Vocals) und Chris18 (Gitarre). Wir sind coole Dudes, irre witzig und sehen fantastisch aus. Mehr gibt's nicht zu sagen ;-)


partyausfall.de: Die einzelnen Bandmitlieder sind ja keine unbeschriebenen Blätter mehr in der Musikszene. In welchen Formationen habt Ihr vorher gelärmt? Wie habt ihr zusammengefunden und was unterscheidet The Blackout Argument von Euren vorherigen Combos?


Chris: Ich hab vor Blackout Argument bei Paint The Town Red gespielt, Philip bei Flyswatter, Sascha bei den Squovilles und Mathilde, etc.. Jeder von uns hat mit Blackout Argument musikalisches Neuland betreten, für mich war es die erste Band mit melodischen Gesang, für Sascha und Philip wohl die erste "härtere" Band etc.. Wir haben glücklicherweise eine musikalische Mitte gefunden die uns alle happy macht.


partyausfall.de: Was macht "The Blackout Argument" als Band aus, worin liegen eure Stärken?


Chris: Ich denke unsere grosse Stärke ist, dass wir das tun worauf wir Lust haben und uns nicht in irgendwelche Schubladen zwängen lassen. Uns ist vollstens bewusst dass wir keine "Muster-Hardcore-Band" sind. Genausowenig entsprechen wir dem Klischee einer Emo-/Screamo-Band mit schwarzen engen Hosen, geschminkten Augen und Popper-Frisur. Metalheads sind wir sowieso nicht. Dennoch schaffen wir es mit unserer Musik eine große Bandbreite an Kids aus verschiedenen Genres anzusprechen. Das ist eine tolle Position für uns und wir genießen das sehr. Abgesehen von unserem breitgefächerten Publikum das wir ansprechen, liegt eine weitere Stärke ohne Zweifel in unserem Ehrgeiz. Jeder von uns investiert eine Menge Zeit und Grips in die Band, sei es beim Songwriting, Recording, Texte verfassen, Booking, Webseite, Artworks etc.. Wir ziehen alle an einem Strang und haben ähnlich konkrete Vorstellungen was wir wollen.


partyausfall.de: Nach zwei EPs erscheint am 10. September Eure
erste Full-Length mit dem Titel "Decisions" auf Lifeforce Records. Was erwartet den Hörer, auch im Vergleich zu den beiden bisher erschienen EPs "Munich Angst" und "Munich Valor"?


Chris: Ich denke dass "Decisions" ziemlich abwechlsungsreich ausgefallen ist. Wir haben einige Songs drauf die eher untypisch sind für eine Hardcore Band, aber auch der Rest der Songs ist ziemlich breit gefächert. Wir haben eher ruhigere, sehr melodische Tracks und kurze schnelle Songs, komplett ohne Gesangspart. Ich denke "Decisions" ist eine gute Mischung aus unseren beiden vorangegangenen EPs "Munich Angst" und "Munich Valor" plus eine Portion Weiterentwicklung. "Munich Angst" war sehr melodisch, "Munich Valor" verhältnismäßig heavy.


partyausfall.de: Wenn man Euren Sound hört würde man es sich zu einfach machen Euch schnell in eine Schublade zu zwängen. Ich höre sowohl klassische Hardcore-Zitate, Metalparts ne ordentliche Prise Rock und gar Trip Hop Elemente heraus. Wie würdet Ihr Eure Musik als Band selbst einordnen und welche Bands beeinflussen Euch? Welche CDs rotieren aktuell privat in Eurer Stereoanlage?


Chris: Ich sehe The Blackout Argument einfach als Hardcore-Band. Die Live-Energie, die Art Songs zu schreiben, aus dem Bauch heraus, und auch die Art sie zu spielen, ohne viel Schnörkeleien, einfach auf den Punkt. Natürlich haben wir diese rockige/melodische Komponente, wobei ich finde dass sich das super in die Hardcore-Songs einfügt. Einen Metal-/Metalcore-Einfluss sehe ich bei Blackout Argument eigentlich nicht, obwohl uns das oft nachgesagt wird. Abgesehen von einer klaren und druckvollen Produktion haben wir mit Bands wie KILLSWITCH ENGAGE, UNEARTH, AS I LAY DYING oder BLEEDING THROUGH nichts gemeinsam. Die Wurzeln unserer Songs liegen im Hardcore der 90er Jahre. Bands wie SNAPCASE, STRIFE, UNBROKEN, TRIAL und OUTSPOKEN haben unser Songwriting stark geprägt, wenn man von der melodischen Komponente einmal absieht. Deshalb denke ich, dass eine Beschreibung wie "melodischer Hardcore" wesentlich besser zu uns passt als "Metalcore". Privat hören wir alles mögliche, wobei es natürlich schwer zu sagen ist, in wie weit das in unsere Songs mit einfliesst. Ich selbst höre zu Hause nicht mehr allzuviel Hardcore, Punk oder Metal sondern viel Hip Hop, Country, Singer-Songwriter Zeug und auch 80s Pop, Hardrock oder Ähnliches. So lange ein Song gut gemacht ist und in meinen Ohren authentisch klingt, kann ich damit was anfangen. Meine derzeitige Top5 an Alben ist: EVERGREEN TERRACE "Wolfbiker", TIMBALAND "Shockvalue", ROXETTE "Best Of", NODES OF RANVIER "Defined By Struggle" und der "Prisonbreak"-Song von AZAD.


partyausfall.de: Auf dem Album gibt es auch Gastauftritte von Geert von der Velde (Ex Shai Hulud), Byron Davis (God Forbid) sowie Benni Bus (Flowing Tears). Was gibt es dazu zu erzählen?


Chris: Der Kontakt zu Geert bestand schon einige Zeit da ich ihn ja von den MISCREANTS und der Zusammenarbeit mit meinem Label Let it Burn Records her kannte. Den Kontakt zu Byron und Benni hat uns Melanie, eine Freundin, vermittelt wofür wir ihr auch sehr dankbar sind. Die Zusammenarbeit war zwar nicht so ganz leicht da das Ganze online verlief aber das Ergebnis ist cool, besonders Benni konnte einiges zum Album beitragen!


partyausfall.de: Für das Coverartwork zeichnet sich Aaron Marsh / Sons Of Nero verantwortlich, der ja bereits für Full Blown Chaos oder Job For A Cowboy tätig war. Wie kam der Kontakt zustande?


Chris: Wir hatten uns bereits in der Vergangenheit ein T-Shirt Design von Sons of Nero anfertigen lassen und waren seitdem in Kontakt. Aaron mochte unsere Musik und hatte Bock das Artwork zu übernehmen, auch wenns sehr kurzfristig war. Wir sind absolut glücklich mit dem Ergebnis, sein Frank Miller Comic Style spiegelt genau die Thematik des Albums wieder.


partyausfall.de: Welche Themen werden inhaltlich auf dem Album in den Texten behandelt? Wie wichtig ist Euch eine klare (ggf. politische) Aussage in den Texten? Engagiert ihr Euch beispielsweise für Organisationen etc.?


Chris: The Blackout Argument ist keine politische Band, zumindest tragen wir das nicht in unseren Texten nach außen. Ich bin sehr kritisch politischen Texten gegenüber, die meisten tendieren dazu platt und pathetisch zu wirken, da der "Rahmen" den einem ein Songtext gibt oftmals nicht ausreicht um ein komplexes politisches Thema wie beispielsweise den Nahost-Konflikt ausreichend transparent zu durchleuchten und den eigenen Standpunkt darzustellen. Oftmals artet das dann in stumpfe Parolen aus, die zwar in der Punk/Hardcore-Community ein gewisses links-politisches "Wir-Gefühl" stärken (was auch durchaus seine Berechtigung hat), jedoch nur wenig neue Perspektiven oder Diskussionen eröffnen. Unsere Texte handeln von persönlichen Erfahrungen, Dingen die jedem von uns im täglichen Leben passieren können, die uns beschäftigen, mitreissen oder im schlimmsten Fall zerstören. Auf "Decisions" handeln die Texte insbesondere davon, Entscheidungen zu fällen und mit den Konsequenzen zu leben. Wir sind ständig gezwungen Entscheidungen zu fällen. Einige davon sind Routine und zunächst nicht weiter von Bedeutung, andere haben sehr weitreichende Konsequenzen. Jedoch egal welche Entscheidungen wir treffen, sie verändern unser Leben. Jede Entscheidung bringt Konsequenzen mit sich, mit denen wir Leben müssen und die ihrerseits wieder neue Entscheidungen fordern. Es gibt kein "richtig" und "falsch", es gibt nur Optionen, unterschiedliche Wege die wir einschlagen können und die uns an neue Orte bringen.


partyausfall.de: Was steht in der nächsten Zukunft an? Werdet Ihr Touren, irgendwelche anderen Projekte geplant?


Chris: Wir werden im Oktober / November touren, um das neue Album so vielen Leuten wie möglich vorzustellen. Natürlich wird es auch eine Menge Einzel- und Wochenend-Shows geben. Am 01.09. ist unsere Album-Releaseparty in München / Backstage zusammen mit ESTATE und BLANK PROMISE. Ansonsten starten wir demänchst mit dem Songwriting für unser nächstes Album. Klingt vielleicht etwas verfrüht, da ja "Decisions" im September erst rauskommt, aber je mehr Songs wir haben und je mehr Zeit diese reifen können, umso besser wird das nächste Album ;-)


partyausfall.de: Vielen Dank, Chris, für Deine Zeit!


Chris: Und ich danke für das Interview!!



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THE BLACKOUT ARGUMENT
Fuze (Germany) | 2007-08-01

For the record: Wer zählt alles zu TBOA, was macht ihr privat / beruflich? Ihr seid auch abseits der Band musikalisch unterwegs (Label, Booking, Recording usw.), kannst Du dazu ein paar Sachen erzählen?

Chris: The Blackout Argument sind Chris18 (Gitarre), Philip (Drums), Raphael (Vocals), Sascha (Bass) und ich, Chris Z (Gitarre). Natürlich haben wir neben der Band noch andere Aktivitäten / Jobs, wobei TBOA schon immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Philip hat mit Suiseidl Recordings ein Tonstudio am laufen, Sascha ist freier Programmierer und fängt im Oktober mit seinem Elektrotechnik-Studium an, Chris18 ist DVD-/Blueray-Operator, Raphael arbeitet als Erzieher und ich betreibe Let it Burn Records. Außerdem habe ich vor einigen Wochen mit meiner Doktorarbeit über das amerikanische Gewaltverständnis und dessen Reflektion im modernen Horrorfilm angefangen.


Wie siehst Du eure Entwicklung, von der ersten EP über die beiden Bastardized EPs bis hin zum ersten Album auf Lifeforce? Wie kam der Kontakt zustande? Bemerkenswert scheint der Umbruch bei Lifeforce zu sein, weg vom reinen Metal(-core)-Label. Inwiefern werdet Ihr unterstützt, was macht Ihr selbst?


Chris: Der Kontakt zu Lifeforce bestand bereits seit Anfang an. Wir hatten Stefan (Lifeforce CEO) unser erstes Demo geschickt und er fand es richtig gut, so dass wir seitdem in Kontakt geblieben sind. Wir wollten mit TBOA allerdings einen Schritt nach dem anderen machen und so entschieden wir uns dazu, zuerst eine EP auf einem kleineren Label („Munich Angst“ auf Engineer Records) herauszubringen. Uns war es wichtig, jede Entwicklungsstufe der Band bewusst zu erleben und nicht von Heute auf Morgen mit einem Album auf Lifeforce da zu stehen. Nach einem Jahr haben wir dann Stefan unsere aktuellen Songs geschickt und sind mit ihm in konkrete Verhandlungen getreten. Der Deal war bereits Ende 2006 unter Dach und Fach. Da Lifeforce allerdings einen sehr tighten Release-Plan haben, wurde unser Debut-Album für September 2007 angesetzt. Um die Zeit bis dahin zu „überbrücken“ entschieden wir uns dazu eine weitere EP („Munich Valor“) auf Bastardized Recordings rauszubringen, die zudem gleichzeitig unsere zu diesem Zeitpunkt ausverkaufte „Munich Angst“ EP neu veröffentlichten.

Du hast Recht, die Entwicklung von Lifeforce Records ist sehr interessant. Das Label ist mit klassischen europäischen Metalcore groß geworden. Bands wie Caliban, Heaven Shall Burn und Cataract haben das Image und die Arbeitsweise von Lifeforce stark geprägt. Stefan und seine Mannen haben sich allerdings schon vor längerer Zeit dazu entschlossen vom reinen Metal-/Core Image weg zu kommen und auch Bands anderer Stilrichtungen zu signen. Natürlich genießen wir mit TBOA nach wie vor eine gewisse Sonderstellung auf Lifeforce, aber mit Hand to Hand oder Last Winter hat Stefan einige Bands im Programm die, ähnlich wie wir, wenig bis gar keine Metal-Einflüsse in ihren Songs haben.
Was die Zusammenarbeit betrifft sind wir sehr zufrieden. Wir machen nach wie vor sehr viel selbst und sind froh dass uns Lifeforce da so große Freiheiten einräumen. In den Bereichen Promotion, Vertrieb, etc. reden wir Stefan natürlich nicht rein, davon hat er viel mehr Ahnung als wir.


Wie liefen die Aufnahmen zu „Decisions“ ab? Was hältst du von den heutigen digitalen Möglichkeiten, jugendlichen Garagenbands einen stadiontauglichen Sound zu verpassen, ohne dass dieser ihrer Bühnenerfahrung oder technischen Fertigkeiten entspricht?


Chris: Wir haben das Glück, dass unser Drummer Philip sehr gutes Recording-Equipment besitzt und über die Jahre auch ein enormes Know-How angehäuft hat. „Decisions“ haben wir komplett bei ihm eingespielt, es dann aber zum Mixen und Mastern aus der Hand gegeben, da Philip das bereits bei „Munich Angst“ und „Munich Valor“ übernommen hatte und wir für das Album einen anderen, neuen Sound haben wollten. Wir haben uns letztendlich für Kristian Kohlmannslehner / Kohlekeller Studios entschieden, weil wir alle Fans seiner extrem wuchtigen und druckvollen Aufnahmen waren. Im digitalen Zeitalter ist es, rein technisch gesehen, glücklicherweise gar kein Problem in Studio A aufzunehmen und in Studio B zu mischen.
Du hast recht, Digital Recording eröffnet eigentlich jeder Band die Möglichkeit eine extrem dicke Produktion aufzufahren aber der Teufel steckt im Detail. Oftmals sind diese DIY-Aufnahmen hoffnungslos überladen weil viele Bands denken „Je mehr Spuren desto fetter“ was kompletter Bullshit ist. Wir achten sehr darauf, dass wir die Songs die wir im Studio aufnehmen auch live mit der gleichen Energie und dem selben Druck umsetzen können, alles andere ist meiner Meinung nach auch idiotisch.


Wie habt Ihr die Songs geschrieben? Stand alles schon beim Entern der Studios?

Chris: Die Songs sind alle im Vorfeld entstanden, wobei wir im Studio noch einige Sachen umgestellt bzw. neu arrangiert haben. Oftmals merkt man erst wenn ein Song aufgenommen ist, dass bestimmte Parts einfach nicht zusammenpassen oder im Songkontext auf einmal ihre Wirkung verlieren. Das Songwriting selbst geht bei uns immer recht zügig. Jemand kommt mit einer Grund-Idee / einigen Riffs an und baut das ganze dann mit dem Rest der Band zu einem kompletten Song der meist am Ende einer Bandprobe steht. Die Texte / Gesangsmelodien entstehen in den meisten Fällen danach, wenn das Instrumental bereits geschrieben ist. Auf „Decisions“ sind allerdings auch 2-3 Songs die direkt im Studio entstanden sind.


Du kommst aus der HC-Ecke, hast bei PAINT THE TOWN RED gespielt und betreibst dein eigenes Label. Wie beurteilst Du die Entwicklungen der letzten Jahre, musikalisch, bei den Leuten und dem ganzen Drumherum? Wie stehst Du zu dem Thema Internet und Punkrock / HC?


Chris: Stimmt ich bin quasi mit Hardcore groß geworden und die Hardcore-Ethik (sofern man heute überhaupt noch davon sprechen kann) hat mein Verständnis vom Musik machen und Musik veröffentlichen stark geprägt. Ich bin 1994 mit der Hardcore-Szene in Berührung gekommen und seitdem hat sich diese Subkultur ständig verändert. Neben kleineren Auswüchsen wie religiösen Einflüssen (zuerst die Krishnas, später die Christen im großen Stil) war wohl vor allem die Verschmelzung von Hardcore mit Metal für die Hardcore-Szene extrem prägend. Sowohl musikalisch hat sich das ganze seitdem in ganz neue Richtungen bewegt, aber vor allem auch inhaltlich. Füher waren Texte und Musik bei Hardcore-Bands in etwa gleich gewichtet. Egal worüber die Bands sangen, es waren Dinge die ihnen wichtig waren und die sie mitteilen wollten. Heute sind Texte in 90% der Fälle nur noch Beiwerk, leere Wort-Phrasen die so enthusiastisch und extrem wie möglich in ein Mikro gekeift werden. Ich will niemandem einen Vorwurf machen, aber diese Inhaltlosigkeit nervt mich bei einigen Bands schon gewaltig. Hardcore (und auch jede andere Form härterer Rockmusik) ist so ausdrucksstark, so energetisch, dass es einfach nur Schade ist dieses Potential nicht zu nutzen um Inhalte zu transportieren.
Eine andere Entwicklung die nicht von der hand zu Weisen ist, ist die voranschreitende Kommerzialisierung von Hardcore, oder sagen wir mal „harter Musik“. Bands bei denen früher jeder schreiend davon gelaufen wäre verkaufen heute Hundertausende Platten und werden in Discos gespielt. Das ganze muss man aber differenziert betrachten, da ich in dieser Entwicklung nicht nur Nachteile sehe. Es gibt durchaus authentische und glaubwürdige Bands die 100%ig hinter dem stehen was sie tun und dennoch kommerziell erfolgreich sind. Oftmals sind das Bands die einen langen und harten Weg hinter sich haben. Meiner Meinung nach spricht rein gar nichts dagegen wenn diese Bands kommerziellen Erfolg haben, ganz im Gegenteil. Sie sind eine Bereicherung für die Musikwelt und mir 1000x lieber als das meiste Pop/Dance-Gedöns womit wir tagein tagaus beschallt werden.
Trotzdem sehe ich einen großen Unterschied zwischen Bands wie Bullet For My Valentine, die quasi aus dem Nichts gekommen sind, außer langen Haaren und extrem schlechten Tattoos nichts vorzuweisen haben, dennoch aber Gold- und Platin-Alben einsacken, und Bands wie Boy Sets Fire, die sich jahrelang den Arsch aufgerissen haben und sich ihren Erfolg (gemessen an BFMV natürlich kaum erwähnenswert) mehr als verdient haben.


Wie lief die Abschiedstour mit BOY SETS FIRE? Hattet Ihr vorher schon engeren Kontakt zu BSF? Wie siehst Du deren musikalische Entwicklung über die Jahre?


Chris: Witzig dass du ausgerechnet jetzt danach fragst, wo ich die Band eben erwähnt hatte hahaha. Die Tour war grandios, wir hatten die beste Zeit und als Band hat uns das ganze einen großen Schritt weiter gebracht. Ich kannte Robert, den Bassisten von BSF, bereits einige Jahre da er ja ursprünglich aus München kommt. Er hat auf unserer „Munich Valor“ EP den Bass eingespielt da Sascha, unser eigener Bassist, zu dieser Zeit in Austrailien war. So hat Robert die Musik und die anderen Members von TBOA kennengelernt. Einige Wochen später fragte er uns dann ob wir nicht Lust hätten Boy Sets Fire auf ihrer Abschiedstour zu begleiten. Wir haben natürlich keine Sekunde gezögert und sofort zugesagt.
Ich finde die musikalische Entwicklung von Boy Sets Fire nachvollziehbar. Jede Veröffentlichung klingt anders, ich sehe bzw. höre jedoch einen roten Faden der sich seit „The Day The Sun Went Out“ durch alle Releases zieht. Selbst das eher unbeliebte Major-Album „Tomorrow Come Today“ passt irgendwie in diese Entwicklung wobei ihr letztes Album „Misery Index: Notes from the plague years“ definitiv stärker ist.


Was hörst Du privat? 5 Platten und 5 Filme für die Insel?

Chris: Jedes mal wieder eine toughe Frage hahaha. Ich muss das ein wenig aufsplitten:
AKTUELLE TOP5 MUSIK:
-EVERGREEN TERRACE „Wolfbiker“
-TIMBALAND „Shockvalue“
-NODES OF RANVIER „Defined By Struggle“
-RITUAL “Wolves”
-BAD RELIGION “New Maps of Hell”
ALLTIME TOP5 MUSIK (eine Auswahl):
-LIFE OF AGONY “River Runs Red”
-THERAPY? “Troublegum”
-BAD RELIGION “No Control”
-STRIFE “One Truth”
-TYPE O NEGATIVE “Bloody Kisses”
ALLTIME TOP5 FILME (eine Auswahl):
-GEORGE A. ROMERO “Day Of the Dead”
-ROB ZOMBIE “House of the 1000 Corpses”
-STEVEN SPIELBERG “Indiana Jones 1-3”
-GEORGE LUCAS “Star Wars IV-VI”
-S. KUBRICK “Shining”


Ihr habt mit so unterschiedlichen Bands gespielt wie BOYSETSFIRE, MISERY SIGNALS oder KURHAUS, in großen Hallen und in kleinen Clubs. Wo sind die Unterschiede, was mögt ihr lieber?

Chris: Stimmt, wir haben echt eine Menge extrem unterschiedlicher Shows gespielt, sehen darin aber eine unserer Stärken. Die Reaktionen waren immer gut, und wir haben es jedes mal geschafft die Leute zu begeistern oder zumindest die Aufmerksamkeit für eine halbe Stunde aufrecht zu erhalten. Ich kann gar nicht genau sagen was ich lieber mag. Natürlich ist es ein irres Gefühl auf eine Bühne zu gehen und zu wissen dass einem 2.500 Leute zuhören. Auf der anderen Seite kann eine kleine Club-Show mit befreundeten Bands und 70 Besuchern ein genauso intensives Erlebnis sein. Vielleicht sprechen mich die großen Shows mehr als „Musiker“ an und die kleineren eher als „Musik-Fan“.


Ihr habt viele verschiedene musikalische Einflüsse. In welche Schublade würdest Du TBOA einsortieren?

Chris: Eine beliebte Interviewfrage. Ich antworte immer, dass ich es sehr genieße wenn die Leute Schwierigkeiten damit haben uns in eine ihrer Schubladen zu zwängen. Unterm Strich sehe ich TBOA aber als Hardcore-Band, insbesondere in anbetracht der Tatsache, dass „Hardcore“ weniger ein klar definiertes Musik-Genre ist, sondern vielmehr Auskunft über die Arbeitsweise und das Selbstverständnis einer Band gibt. Als musikalische Beschreibung auf Showflyern, etc. läuft es dann meistens auf „Melodischer Hardcore“ oder „Hardcore-Rock“ raus, zwei Betitelungen mit denen wir leben können.


Wie läuft das mit Punkrock, DIY-Ethik und Szene in Bayern und einer Stadt wie München? Gibt es regionale Unterschiede, z.B. im Vergleich zur Kölner Gegend oder zur Hauptstadt?

Chris: München hat eine sehr alte DIY-/Punk-Tradition. Seit Anfang der 80er Jahre gibt es in München Punk/Hardcore Bands die versuchen ihr eigenes Ding durchzuziehen und meines Wissens war dafür auch immer ein Publikum sowie eine Community die das ganze trägt vorhanden. Die Szene in München ist nicht groß, nach meinem empfinden ist sie aber weniger kurzlebig als beispielsweise in Köln oder dem Ruhrpott, wo mit den vielen Trends die kommen und gehen oftmals auch die Kids wieder verschwinden und viele neue kommen. Wie in jeder anderen größeren Stadt gibt es bei uns eine Menge Shows, Bands, Fanzines, Distros, Labels, etc. das ganze ist also in Bewegung auch wenn man außerhalb Bayerns vielleicht nicht allzuviel davon mitbekommt.


„Decisions“ ist eine Art Konzeptalbum. Kannst Du darüber etwas erzählen? Warum genau diese Thematik? Wie kam es zum Coverdesign?


Chris: Das Konzept das „Decisions“ zugrunde liegt und sich durch die Texte, die Linernotes, das Artwork, den Spoken-Word-Track und auch die Musik zieht, handelt davon Entscheidungen zu treffen und mit den draus resultierenden Konsequenzen zu leben. Jeden Tag werden wir ermutigt oder gezwungen uns für oder gegen etwas zu entscheiden. Viele dieser Entscheidungen sind nicht weiter von belang, manche davon aber um so mehr. Es gibt sehr weitreichende Entscheidungen die unser Dasein grundlegend verändern, uns einen komplett neuen Weg einschlagen lassen oder unser Leben im schlimmsten Fall vollständig verwüsten. Die Art und Weise wie wir Entscheidungen fällen und unsere Bereitschaft mit der neuen Situation umzugehen sagt viel über uns Menschen aus und definiert einen großteil unseres Charakters.

Das Artwork stammt aus der Feder von Aaron Marsh von Sons of Nero. Im Endeffekt sind es 2 Cover-Artworks, wobei das eine die Situation vor der „Entscheidung“ darstellt und das andere ein Bild nach der „Entscheidung“ zeigt. Der dunkle Frank Miller mäßige Comic-Stil fügt sich perfekt in das Konzept ein. Wir sind sehr glücklich mit der Aarons Arbeit.


Wie läuft es bei Euch mit Band und Studium / Beruf jetzt weiter? Wie weit wollt Ihr gehen und die Band voran treiben? Was denkst Du darüber, mit Musik professionell seinen Lebensunterhalt zu verdienen?


Chris: Witzigerweise haben wir die letzten Tage desöfteren genau über diese Sache gesprochen. Es ist in der Tat so, dass sich für The Blackout Argument in den letzten 1,5 Jahren alles sehr schnell entwickelt hat. Aber trotz der rasanten Geschwindigkeit haben wir diese Entwicklung sehr bewusst erlebt und sind immer auf dem Teppich geblieben. Uns war / ist es wichtig, jeden einzelnen Schritt zu genießen und uns auch über Kleinigkeiten zu freuen. Natürlich ist ein Deal mit einem Label wie Lifeforce oder eine Tour mit Boy Sets Fire eine absolut großartige Sache aber die bereits erwähnte Clubshow vor 70 Leuten bei der jeder 100%ig bei der Sache ist, kann einem genau das gleiche „Erfolgsgefühl“ geben.
Wir haben auch über The Blackout Argument als Fulltime-Band geredet und festgestellt, dass bei jedem von uns eine Bereitschaft da wäre es für ein paar Jahre voll durchzuziehen. Allerdings wäre es extrem naiv einfach ins Blaue hinein unsere Jobs, Studium, etc. aufzugeben und dann drauf zu hoffen dass es klappt. Wir werden einfach weiterhin hart arbeiten und alles in die Band investieren das uns zur Verfügung steht. Sollte es sich für uns weiterhin so gut entwickeln und wir eines Tages tatsächlich vor der Entscheidung stehen ob wir es Vollzeit machen oder nicht, würden wir uns jedoch mit ziemlicher Sicherheit dafür entscheiden. Realistisch betrachtet ist die Chance jedoch, gerade in Europa, nicht besonders hoch. Deshalb laufen unsere Jobs und Studium bzw. Promotion erstmal so weiter wie bisher.



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THE BLACKOUT ARGUMENT
Legacy (Germany) | 2007-08-01

1. Zu Beginn das übliche: Stell bitte kurz die Band vor, wer spielt was und, vor allem, wie kam es zur Gründung von THE BLACKOUT ARGUMENT?


Chris: The Blackout Argument sind Sascha (Bass), Philip (Drums), Raphael (Gesang), Chris18 (Gitarre) und ich, Chris Z (ebenfalls Gitarre). Wir haben Ende 2005 angefangen zusammen zu proben und im März 2006 unsere erste Show gespielt. Ab da ging alles ziemlich schnell. Es folgte eine endlose Zahl an Auftritten im In- und Ausland, die Veröffentlichung unserer Debut-EP „Munich Angst“ auf Engineer Records welche im April 2006 von Bastardized Recordings wiederveröffentlicht wurde. Zeitgleich erschien ebenfalls auf Bastardized Recordings eine weitere, neue EP mit dem Titel „Munich Valor“. Im Mai folgte dann eine Tour als Support von BOY SETS FIRE und im September werden wir unser erstes Album auf Lifeforce Records, unserem neuen Heimathafen, rausbringen.


2. Ihr habt ja alle schon Erfahrungen in mehr oder weniger bekannten Bands verschiedenster Stile gemacht. Worin liegt für Euch der Unterschied zu Euren vorherigen Bands?


Chris: Stimmt, jeder von uns hat bereits vor The Blackout Argument in verschiedenen Bands gespielt wobei meine ex-Band PAINT THE TOWN RED (Join The Team Player / Thorp) und Philips ex-Band FLYSWATTER (Eat the Beat / Roadrunner) wohl die bekanntesten sein dürften. Rein musikalisch ist der Hauptunterschied zu PAINT THE TOWN RED, dass The Blackout Argument auch mit melodischen Gesang arbeiten. Zwar sind einige meiner Songs / Riffs ähnlich aufgebaut wie damals bei PTTR, jedoch wirkt das ganze bei The Blackout Argument wesentlich eingängiger. Ein weiterer großer Unterschied zu PTTR ist, dass wir mit The Blackout Argument viel mehr Zeit in das Songwriting investieren. Mit PTTR haben wir es in 3,5 Jahren gerade mal auf ein Album, eine MCD und eine Split-CD gebracht. Wir waren eigentlich ständig nur auf Tour und hatten, nicht zuletzt aufgrund einer Vielzahl an Line-Up Wechseln, immer Probleme uns musikalisch weiterzuentwickeln. Bei The Blackout Argument haben wir eine gute Balance gefunden zwischen Studio-Arbeit und Live-Präsenz.


3. Schubladen-Frage: Ihr werdet ja ganz gerne mal in die Screamo-Ecke gesteckt. Ich dagegen würde Euch ja eher, vor allem aufgrund der sehr vertrackten und durchdachten Songstrukturen, in einer Reihe mit Bands mit wie Shai Hulud oder Bridge To Solace sehen. Also quasi als „intelligenten Hardcore mit Metaltouch“. Ich geh auch mal davon aus, dass es kein Zufall ist, dass die Sänger beider eben genannter Bands schon Gastauftritte auf Euren Platten hatten. Wo seht Ihr Euch selbst und welche Bands haben Euren Sound maßgeblich beeinflusst?


Chris: Ich finde es nach wie vor sehr cool, dass die meisten Leute Probleme damit haben uns musikalisch zu kategorisieren und in Schubladen zu stecken. Ich sehe das definitiv als eine Stärke der Band und wir hoffen auch, dass wir damit vielleicht ein Stück weit das stark genre-kategorisierte Schubladendenken der Leute demontieren können. Schließlich geht es ja um Musik. Wenn man von den Songs einer Band oder ihrer Live-Show mitgerissen wird, ist es doch vollkommen egal aus welchem musikalischen Genre oder aus welcher Szene die Band kommt.
Ich sehe ziemlich wenig Gemeinsamkeiten mit der Scremo-/Emocore-Szene, die sich meiner Ansicht nach eher über Äußerlichkeiten als über einen bestimmten Sound definiert. Keiner von uns färbt sich die Haare schwarz, trägt enge Röhrenjeans oder schminkt sich die Augen. Ebenso wenig sehe ich The Blackout Argument als Metalcore Band. Wir haben mit Bands wie AS I LAY DYING, CALIBAN oder UNEARTH musikalisch rein gar nichts gemeinsam, außer vielleicht einer wuchtigen, druckvollen Produktion.
Ich denke die Bezeichnung „melodische Hardcore Band“ beschreibt uns am besten. Hauptsächlich weil der Begriff „Hardcore“ musikalisch sehr weitgefasst ist und zusätzlich eine gewisse Arbeits-Ethik und Grundeinstellung beinhaltet. Zwar weckt die Bezeichnung „melodischer Hardcore“ bei den Leuten von IGNITE über STRETCH ARM STRONG bis hin zu EVERGREEN TERRACE ebenfalls gewisse Assoziationen, da sehe ich aber am ehesten noch einige musikalische Parallelen. Konkrete Bands die unseren Sound beeinflusst haben gibt es jedoch nicht direkt. Wir hören alle sehr unterschiedliche Musik aus den verschiedensten Genres und unterm Strich fließt alles irgendwo in unsere Songs ein.
Die Zusammenarbeit mit Zoli (BRIDGE TO SOLACE) und Geert (ex-SHAI HULUD) war jedoch kein Zufall, das hast du richtig erkannt. Wir sind alle große Fans dieser Bands und der Stimmen ihrer Sänger, weswegen wir sie auch gezielt gefragt haben ob sie etwas zu unserem Album bzw. EPs beisteuern wollen.


4. Und gleich weiter: Metalcore ist ja so ne Sache. Man sitzt irgendwie zwischen zwei Stühlen, die HC-Kids können wenig mit Melodien und vertrackten Songs anfangen, während die echten Metaller schon bei der bloßen Erwähnung des Wortes „Core“ die Flucht ergreifen. Was habt Ihr selbst für Erfahrungen mit dieser Diskrepanz gemacht? Und wie sieht es bei Eurem Publikum aus?


Chris: Wir hatten bisher die Möglichkeit sehr unterschiedliche Shows mit extrem unterschiedlichem Publikum (Hardcore-Kids, Emos, Metalheads, jung, alt, etc.) spielen zu können und hatten eigentlich immer das Glück beim Publikum gut anzukommen. Hier greift wieder das was ich oben bereits erwähnt habe: Es geht um Musik. Wenn die Leute es schaffen die Kategorien in ihren Köpfen hinter sich zu lassen und einfach nur die Show & die Musik zu feiern, dann haben wir einen großen Erfolg zu verbuchen.
Was die Diskrepanz zwischen „Metal“ und „Core“ betrifft so gibt es ja doch einige Bands die es schaffen diese Barriere ganz gut einzureissen. Ich denke mal dass Bands wie BLEEDING THROUGH, CATARACT oder MAROON sowohl im Metal- als auch im Hardcore-Lager ganz gut punkten können.


5. Hast Du wahrscheinlich schon 1000 mal beantwortet: Wie kommt es, dass auch „Decisions“, genau wie Eure vorherigen Releases, nicht via Let It Burn erscheint? Und wie kam es zu dem Deal mit Lifeforce?


Chris: Stimmt, die Frage wurde mir Anfangs relativ häufig gestellt. Zwar schmeichelt es mir wenn die Leute Let it Burn Records als ernstzunehmende Konkurrenz zu Lifeforce Records wahr nehmen, realistisch gesehen sind Lifeforce jedoch wesentlich grösser und können viel mehr für ihre Bands tun als mir das mit Let it Burn möglich wäre. Die finanzielle und organisatorsiche Unterstützung oder die Arbeit im Bereich Promotion und Vertrieb ist bei Lifeforce so gut wie bei fast keinem anderen europäischen Independent-Label. Wir sind jedenfalls sehr zufrieden mit der bisherigen Zusammenarbeit und sehen wie The Blackout Argument unter den Fittichen von Stefan, Arne und Co. noch gewaltig wachsen können.


6. Wie seht Ihr „Decisions“ selbst im Vergleich zu Euren bisherigen Releases?


Chris: Ich denke unsere erste EP „Munich Angst“ war wichtig um unseren Stil zu definieren. Zwar ist die EP recht melodisch ausgefallen, Songs wie „Regret in Stereo“ oder „So Much You and Me“ (den wir auch für „Munich Valor“ noch mal neu aufgenommen haben) fügen sich nach wie vor nahtlos in unser Live-Set ein und machen uns auch immernoch viel spass zu spielen. Die zweite EP „Munich Valor“ ist ein ganzes Stück härter ausgefallen als „Munich Angst“. Die Songs sind allesamt in sehr kurzer Zeit entstanden und wurden auch ohne viel dran rumschrauben gleich eingespielt. Alles ist sehr reduziert und auf den Punkt was den Songs eine gewisse Heaviness verleiht die vielleicht auf „Munich Angst“ in dieser Form noch nicht zu hören war. „Decisions“ hat von beidem etwas. Auf dem Album findet man sowohl reine Hardcore-Tracks, als auch extrem melodische, ruhigere Nummern. Dazu haben wir noch einige „spezielle“ Songs aufgenommen die das Gesamtkonzept des Albums unterstützen sollen.


7. Mich persönlich hat ja gerade „Glassbead Game“ ziemlich überrascht, wenn auch positiv. Aber ich fand ja auch „Slipping“ von der STRIFE / „One Truth“ schon klasse. Wie kommt man darauf, eine astreine Ballade auf ein „HC“-Album zu packen? Besteht da nicht die Gefahr, einen Teil der „Zielgruppe“ zu vergraulen?


Chris: Wenn wir bei dem was wir tun immer Rücksicht auf eine bestimmte Zielgruppe nehmen würden dann hätten wir schon einige Dinge anders machen müssen hahaha! Aber mal im Ernst, wenn wir Lust haben musikalisch etwas neues auszuprobieren oder über unseren Tellerrand zu gucken, dann tun wir das. Natürlich wird es einige Leute geben die sich an diesem Song stören, aber wenn wir ihn nicht aufgenommen hätten würden sie etwas anderes finden. Uns ist der Song sehr wichtig und wir sehen ihn auf jeden Fall als große Bereicherung für „Decisions“. Und ich stimme dir vollkommen zu, Songs wie „Slipping“ von STRIFE oder „Swing Life Away“ von RISE AGAINST gehören mit zu den besten die diese Bands jemals geschrieben haben.


8. Ihr habt in nicht mal zwei Jahren einiges Zustande gebracht? Entwickelt sich THE BLACKOUT ARGUMENT zum Fulltime Job? Was macht Ihr nebenher und wie sehen Eure Zukunftspläne aus?


Chris: Witzig dass du mir diese Frage stellst, da ich mich gerade gestern Abend mit Chris18 darüber unterhalten habe. Es ist in der Tat so, dass sich für The Blackout Argument in den letzten 1,5 Jahren alles sehr schnell entwickelt hat. Aber trotz der rasanten Geschwindigkeit haben wir diese Entwicklung sehr bewusst erlebt und sind immer auf dem Teppich geblieben. Uns war / ist es wichtig jeden einzelnen Schritt zu genießen und uns auch über Kleinigkeiten zu freuen. Natürlich ist ein Deal mit einem Label wie Lifeforce oder eine Tour mit Boy Sets Fire eine absolut großartige Sache aber eine energiegeladene Show vor 70 Leuten bei der jeder 100%ig bei der Sache ist, kann einem genau das gleiche „Erfolgsgefühl“ geben.
Wir haben gestern auch über The Blackout Argument als Fulltime-Band geredet und festgestellt, dass bei jedem von uns eine Bereitschaft da wäre es für ein paar Jahre voll durchzuziehen. Allerdings wäre es extrem naiv einfach ins Blaue hinein unsere Jobs, Studium, etc. aufzugeben und dann drauf zu hoffen dass es klappt. Wir werden einfach weiterhin hart arbeiten und alles in die Band investieren das uns zur Verfügung steht. Sollte es sich für uns weiterhin so gut entwickeln und wir eines Tages tatsächlich vor der Entscheidung stehen ob wir es Vollzeit machen oder nicht, würden wir uns jedoch mit ziemlicher Sicherheit dafür entscheiden. Realistisch betrachtet ist die Chance jedoch, gerade in Europa, nicht besonders hoch.
Zum zweiten Teil deiner Frage: Philip hat mit Suiseidl Recordings ein Tonstudio am laufen, Chris18 ist DVD-/Blueray-Programmierer, Sascha beginnt im Oktober ein Elektrotechnik-Studium und arbeitet als freier Softwareentwickler, Raphael ist gelernter Erzieher und arbeitet mit Kids und ich betreibe das bereits erwähnte Independent-Plattenlabel Let it Burn Records.



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THE BLACKOUT ARGUMENT
Musicbeat (Germany) | 2007-08-01

Hallo Jungs, danke, dass ihr euch Zeit für ein paar Fragen nehmt.


Chris: Sehr gerne!


Ihr seid, frei der DDR-Hymne, auferstanden aus den Ruinen von Paint The Town Red und Flyswatter, meine Lieblinge. Was hat die Auflösung dieser Band bewogen, und wie seid ihr als The Blackout Argument zusammen gekommen?


Chris: Ich kann nur zu Paint The Town Red etwas sagen da mir bei Flyswatter die Infos fehlen, aber bei PTTR waren es letztendlich wohl die vielen Line-Up-Wechsel die uns dazu gezwungen haben irgendwann einfach einen Schlußstrich zu ziehen. Als wir nach unserer letzten Tour wieder 2 Mitglieder verloren hatten war die Luft einfach raus. Bei Flyswatter wars wohl ähnlich, das ständige kommen und gehen von Musikern zährt natürlich sehr an der Festigkeit einer Band.
Ein paar Wochen nach dem Split von PTTR Ende 2005 war mir bereits klar dass ich möglichst bald etwas neues starten wollte. Es sollte auf jeden Fall in eine melodischere Richtung gehen als meine bisherigen Bands und so kam die Idee auf Philip zu kontaktieren der gerade bei Flyswatter raus war. Wir haben uns zum Proben getroffen und hatten relativ fix 5 Songs fertig mit denen wir uns dann auf die Suche nach weiteren Musikern machten, die Lust hatten eben so einen Sound zu spielen und richtig gas zu geben. Wir fanden relativ schnell Sinan, Sascha und Chris18 und spielten im März 2006 unsere erste Show.

Euer fantastisches Debüt „Decisions“ wechselt geschickt zwischen Hardcore und melodischem Rock. Ist das die Schnittmenge eurer alten Bands? Woher kommt dieser Sound?
Chris: Vielen Dank fürs Lob, freut mich dass dir das Album gefällt! Im Prinzip hast du recht, wenn man den Sound von Flyswatter und Paint the Town Red zusammen nimmt, kommt wohl die Musik raus die wir mit The Blackout Argument spielen. Wir haben bewusst auf Metal-Elemente verzichtet, erstens weil keiner von uns wirkliche Metal-Roots hat, und zweitens weil wir nicht den „Metalcore“-Stempel aufgedrückt haben wollten. Die Songs sind rockig, heavy und zugleich melodisch. Deine Beschreibung „…zwischen Hardcore und melodischem Rock“ trifft es wohl ganz gut.


Mit Geert van der Velde und vor allem Byron Davis konntet ihr einige prominente Gäste für euer Album gewinnen. Wie ist es zu diesen Zusammenarbeiten ge-kommen?


Chris: Geert kannte ich schon länger von der Zusammenarbeit seiner neuen Band MISCREANTS und meinem Label LET IT BURN RECORDS. Ich hab ihn einfach gefragt ob er Lust hätte etwas zum Album beizusteuern und er fand die Idee gut. Bei Byron hat eine Freundin den Kontakt hergestellt. Beides war nicht so ganz einfach da wir die Songs / Gesangsspuren online hin und her geschickt haben aber am Ende hat doch alles funktioniert.


In eurer Biographie heißt es über den Titel eures Album: „Das Leben dreht sich um Entscheidungen. Wenn man Scheiße baut, muss man damit leben.“. Schlägt sich das in den Lyrics nieder? Worum geht es inhaltlich auf „Decisions“?


Chris: Richtig, „making decisions and dealing with the consequences“ ist das Konzept dass sich duch das gesamte Album zieht und die Texte, das Artwork, de Spoken-Word-Tracak, die Linernotes und sogar die Musik miteinander verbindet. Die Texte auf „Decisions“ sind sehr persönlich und handeln von Dingen die jedem von uns im täglichen Leben passieren, die uns beschäftigen, mitreissen oder im schlimmsten fall zerstören. Wir sind ständig gezwungen Entscheidungen zu fällen. Einige davon sind Routine und zunächst nicht weiter von Bedeutung, andere haben sehr weitreichende Konsequenzen. Jedoch egal welche Entscheidungen wir treffen, sie Verändern unser Leben. Jede Entscheidung bringt Konsequenzen mit sich mit denen wir Leben müssen und die ihrerseits wieder neue Entscheidungen fordern. Es gibt kein „richtig“ und „falsch“, es gibt nur Optionen, unterschiedliche Wege die wir einschlagen können und die uns an neue Orte bringen.


Als abschließende Frage, was macht The Blackout Argument eurer Meinung nach einzigartig und spannend?


Chris: Ich denke eine große Stärke von The Blackout Argument ist die Tatsache, dass die Band aus 5 vollkommen unterschiedlichen Persönlichkeiten besteht und wir dennoch mit unserer Musik und unseren Live-Shows zu einer Einheit werden. Jeder von uns hat einen komplett unterschiedlichen Background, sei es musikalisch, menschlich oder beruflich und denn sind wir als The Blackout Argument eins. Vielleicht ist das auch der Grund warum so viele Leute Schwierigkeiten haben uns in eine bestimmte Schublade zu zwängen, was ich persönlich sehr cool finde.


Besten Dank für das Interview, und viel Glück für die nächsten Wochen und Monate!


Chris: Vielen dank und danke für das Interview und den support!!



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THE BLACKOUT ARGUMENT
Stardust (Germany) | 2007-08-01

1.Zu allererst. Wer beantwortet die Fragen?


Chris: Hey Chris Z. hier von The Blackout Argument.


2.Erläutert den Werdegang der Band in euren eigenen Worten! Keine Presseinfo! Wie hat alles begonnen? Stand schon am Anfang fest welchen Musikstil ihr spielen wollt, oder hat sich das im Laufe der Zeit entwickelt?


Chris: Nach dem Split von PAINT THE TOWN RED 2005