Fuze

Germany
Date: 2009-12-01

DER ASOZIALE BRUDER VON AMY LEE. Der einzige Unterschied zwischen ZERO MENTALITY und EVANESCENCE ist der
räudigere Gesang der Bochumer. Zumindest sieht das Sänger Ben Fink so. Dass das vielleicht gar nicht so schlecht ist, merkten ZERO MENTALITY
aber erst, als sie Anfang dieses Jahres im Studio waren und dort feststellten, dass ihre Songs auch ohne cleanen Gesang funktionierten.
Am Silvesterabend des Jahres 2008 machten
sich ZERO MENTALITY auf den Weg nach Århus
in Dänemark. Statt sich die immer gleichen Feuerwerke
mit billigem Fusel schön zu trinken, entschieden
sich die fünf Musiker dafür, ein neues
Album aufzunehmen. Gleich am ersten Januar
ging es los, schließlich sollten innerhalb von elf
Tagen zehn Songs eingespielt werden. Bei einer
solch knapp bemessenen Produktionszeit bleibt
nicht viel Raum für Spielereien, deshalb hatte
die Band alle Lieder schon vorher geschrieben.
Zwölf Monate lang. Wegweisend für den Sound
der Platte sollte dabei der Titeltrack „Black rock“
sein. Gitarrist Thorsten Grobortz, der schon
neunzig Prozent des Vorgängeralbums „Invite
Your Soul“ geschrieben hatte, tat sich auch dieses
Mal wieder als Ideengeber hervor. Doch der
Anspruch der Band war nicht gerade gering:
Einerseits hatten ZERO MENTALITY mit „Black
rock“ quasi ein eigenes Genre erfunden, andererseits
war klar, dass es eine Weiterentwicklung
des letzten Albums geben musste. „Stillstand“,
so Ben Fink, „würde den sofortigen Tod der Band
nach sich ziehen.“
Doch ZERO MENTALITY leben, Stillstand und Tod
scheinen abgewehrt. Einen nicht unwesentlichen
Anteil an der neuen Ausrichtung gen Rock-Musik
dürfte dabei Alan Kassab gehabt haben. Der
kam ursprünglich als Aushilfsmusiker von den
befreundeten THE HEARTBREAK MOTEL, signalisierte
dann aber Interesse, auch an der Entstehung
eines neuen Albums beteiligt zu sein.
Mit seiner Vorliebe für klassische Rock-Bands
der GUNS N’ ROSES-Ära einerseits und einem
Hang zum glatten Gothic-Rock von HIM andererseits
brachte er zwei Stilelemente in die Band,
die sich auf „Black Rock“ deutlich heraushören
lassen und prägend für die gesamte Produktion
waren. Auf den Vorgängeralben klangen ZERO
MENTALITY noch deutlich mehr nach Metal.
Neben Gitarre spielte Kassab außerdem Klavier
und Orgel auf der Platte und verschob damit den
Sound der Band noch weiter in Richtung traditioneller
Rock-Musik. Auch wenn Sänger Ben Fink
die Weisung ausgibt, dass weder THE HEARTBREAK
MOTEL noch seine eigene Band unter der
potenziellen Doppelbelastung Kassabs leiden
dürfen: Der Ausstieg des Multitalents würde sich
musikalisch wohl rächen. Doch damit ist in näherer
Zukunft nicht zu rechnen: THE HEARTBREAK
MOTEL befi nden sich momentan in einer kreativen
Pause mit unklarem Ausgang.
Neben dem freundschaftlichen Verhältnis zu
Kassabs zweiter Band unterhalten ZERO MENTALITY
ein breites Netzwerk in der Musikszene
des Ruhrpotts. Ben Fink spielte kurzzeitig
Gitarre bei BLACK FRIDAY ’29, von denen
wiederum immer mal wieder jemand einspringt,
wenn bei ZERO MENTALITY Not am Mann ist. Zu
dem illustren Zirkel zählen außerdem COPYKILL,
bei denen Kassab vor etwa zehn Jahren Gitarre
gespielt hat, CALIBAN, END OF DAYS, KREATOR
und viele weitere Bands. Doch der Ruhrpott ist
nicht nur Ort der Freundschaft zu anderen Musikern,
sondern auch assoziativer Bezugspunkt
für ZERO MENTALITY. Mit ihren Texten setzt die
Band die Tradition eines zwar einfachen, dabei
aber immer auch stolzen Proletariats fort. Wenn
Ben Fink über Politik und Persönliches schreibt,
braucht es weder Metaebene noch Hochschulabschluss,
um ihn zu verstehen. Bodenständig
nennt man so etwas gerne mal. Oder glaubwürdig.
Der starke deutsche Akzent stärkt diese
Attribute noch zusätzlich. Dennoch ist der
Gesang erstes und –wie Fink unbescheiden feststellt
– einziges Markenzeichen der Band. Ob die
Musik tatsächlich nach EVANESCENCE klingt,
darf diskutiert werden. Dass es der Gesang nicht
tut, sollte jedem Hörer jedoch unmittelbar klar
sein. Spätestens wenn Fink von der englischen
zur deutschen Sprache wechselt, wird deutlich:
ZERO MENTALITY machen etwas anders. In welcher
Sprache ein Song gesungen wird, entscheidet
der Sänger allein nach dem Gefühl, das er
beim Hören eines Liedes hat. Geplant ist da erst
einmal nichts.
Während der Aufnahmen bei Jacob Bredahl in
Dänemark wurde dann auch klar, dass es auf
„Black Rock“ keine gesungenen Passagen mehr
geben muss. Auf den vorangegangenen Alben
hatten noch Gastsänger das monotone Organ
Finks ergänzt. Das sollte diesmal nicht so sein.
Seine aggressiv gesprochenen Vocals transportieren
die Aussage der Songs auch allein
ganz gut, befand die Band. Der Sänger selbst
beschreibt ZERO MENTALITY sowieso als „gute
Musik mit asozialem Gesang“. Trotzdem fi nden
sich auch auf „Black Rock“ wieder einige Parts
mit cleanem Gesang: „Devils charity“ und „Dead
ember“ werden von Frauen gesungen. Ben Finks
Einschätzung nach müsste seine Band bei diesen
beiden Songs also wie EVANESCENCE klingen.
Gut, dass sie das nicht tut.

„DAT IS’ ZM, DAT RAFFST DU NIE!“ Um jemandem zu
zeigen, worum es bei ZERO MENTALITY geht, würde Sänger
Ben Fink die- oder denjenigen eine Woche lang mit
auf Tour nehmen. „Da ist dann genügend Zeit, um all
unsere Platten zu hören, die Lieder live zu erleben und
uns als Personen kennen zu lernen. Ich glaube aber trotzdem
nicht, dass man nach dieser Tortour rafft, worum es
bei uns geht. Das ist nämlich viel mehr eine Einstellungssache
und Typfrage als eine kognitive Leistung. Es gibt
wenige Leute, von denen ich behaupten kann, dass sie
uns und das, was wir tun, verstehen oder nachvollziehen
können. So richtig checken wir das ja selbst nicht.“


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Bleeding Nose

Germany
Date: 2009-11-09

Ben (isst Salat)
BN: Hey, Ben, lass es dir schmecken! Dann fang ich gleich mal mit der Hinführung zum Interview an – wenn man Interviews mit dir liest, dann möchte man eigentlich gar keines mit dir führen…bis man über das zweimal abgelieferte Interview bei allschools stolpert [Ben gab nach Kritik an seiner Person aufgrund der zu kurzen und arroganten Antworten das Interview noch mal mit anderen Antworten; Anm. d. Red.]. Einmal bist du selbst bezeichnet der „arrogante Wichser“ und einmal der „Arschkriecher“ – wer bist du denn heute?

Ben: Das ist je nach Lust und Laune, ohne logisches Prinzip. Wenn ich glaube, ich hab zu einer Frage was Vernünftiges zu sagen, dann würde ich das auch tun. Ich hab mit dem Typen von allschools hinterher gesprochen, als ich das Interview gemacht hab, hatte ich gar nicht den Eindruck, dass es so kacke war. Ich hab ihn gefragt, ob er das in den falschen Hals bekommen hat, aber er meinte, es wär alles halb so wild. Kann schon sein, dass es manche falsch verstehen und unseren Humor nicht teilen. In dem ernsten Interview war auch ganz viel gelogen.
Das was die Leute auf dem Board sagen ist mir relativ scheißegal, die Leute die mich kennen wissen, dass ich ein netter Kerl bin. Und noch zusätzlich verstellen brauch ich mich nicht, hab ja schon genug Freunde. Ich werde heute auf deine Fragen mit einem Höchstmaß an Respekt und Kompetenz antworten.

BN: Sind also Interviews ein notwendiges Übel vom Management?

Ben: Nein, ich bin über jede Plattform froh, damit wir was über die Band preisgeben. Sonst könnten wir auch nur für uns im Proberaum spielen. Aber ich hasse es generell, immer das Gleiche zu erzählen. Was natürlich kurz vor einem Release mit vielen Interviews unvermeidlich ist. Dann muss man Quatsch erzählen, um sich selbst nicht zu langweilen.

BN: Schon blöd, wenn man sich alles merken kann, was man erzählt hat, richtig?!

Ben: Ich als Akademiker kann mir das gut merken, das Hirn wird täglich an der Uni trainiert. Alan kennt das nicht, der arbeitet in der Autowerkstatt. Die verschrotten Autos, zum Reparieren isser zu blöd…
Alan: Ich kauf die nur…

BN: Wahnsinn, dass du bei ZM spielen darfst?
Alan: Ich kauf die und lackier die um.

BN: Aber schon mit Abi, sonst hat mans ja nicht drauf?!

Ben: Diplom-Autoverschrotter! Schickt man in den Sudan, dann gibt’s da noch’n bisschen Geld dafür….

BN: Die aktuellen oben ohne-Promofotos, sind die auf eurem Mist gewachsen?

Ben: Das war eigentlich für H&M…

BN: Ja genau, deshalb hingen die auch überall in den Filialen…

Ben: Nee, die wollten die dann nicht haben. Das war denen zu sexy. Wir konnten uns aber nicht unsexy verstellen…

BN: Dabei habt ihr extra die nicht-Tätowieren nach hinten gestellt! Eure Mühen kann ich da durchaus erkennen….

Ben: Es gibt jetzt auch Shirts, da steht nicht H&M sondern Z&M drauf….
Alan: …in der H&M-Schrift!

BN: Das Copyright war sicher teuer?!

Alan: Nee, ich hab das schon geregelt! Ich hab auch noch andere Jobs, ich hab sexuelle Dienste bei meiner Chefin geleistet, und dann ging das.
Ben: …aber ehrlich, die Fotos sind Mist.
Alan: Das ist eine Hommage an Rammstein –
Ben: …ja, wegen der einen Scheibe, Herzilein, nein, Herzeleid. Der Flake ist auch n Riesenfan von ZM, und wir schreiben uns.
Ben: Also zu den Fotos noch mal im Ernst –

BN: Ich färb es dann ein für die Leser, was Ernst und was Scheiß war….

Ben: …nee, den Scheiß druckste ab und der Ernst ist nur für dich, weil du uns so sympathisch bist!

BN: Geht klar.

Ben: Wir wollten einfach mal H&M klauen, weil man bei H&M grade immer Rockband-Shirts wie RAMONES etc. anbietet und das Leute anziehen, die gar keine Ahnung haben, was das überhaupt für Bands waren. Daher das H&M-Rip off Shirt. Mit einem Augenzwinkern.
Alan: Und zusätzlich der Boygroup-Charakter, jeder ist so n bestimmter Typ.

BN: Ihr habt Recht, denn normalerweise suchen die Musiker für ihre Promos sicher stundenlang DAS eine Shirt aus, das sie auf dem Foto anhaben wollen

Ben: Da sprichst du was Gutes an, Alan hat auf einem Foto nämlich mal ein AVENGED SEVENFOLD-Button dran, und prompt stand in einem review „…Parallelen zu AS sind zu sehen….“ [lacht]

BN: Ihr seid ja eher die von euch kreierte Mischung aus Black Metal und Rock = Black Rock, aber in vielen Rezis steht oft Metalcore…wie kommt das zustande?

Ben: Die meinen damit meist, dass wir das nicht musikalisch sind, sondern weil wir auch so viel mischen. Unser Gitarrist wird sich freuen, dass du das erkannt hast, weil der kriegt immer die Krise, wenn er liest „ne Mischung aus Rock, Metal und Hardcore“. Er sieht den Rock im Vordergrund.

BN: Und du persönlich?

Ben: Ich kann das mit dem Hardcore gut verstehen, weil ich nun mal der Sänger im Rampenlicht bin – die andern stehen mir natürlich zur Seite, außer der Türke, der muss hinter die Bassbox…er will auch nicht mehr Türke genannt werden, worauf hatten wir uns geeinigt?
Alan: Ab heute bin ich einfach aus dem Sudan…Ich bin auch jedes Mal ne andere Nationalität.
Ben: Er ist quasi trans-nationalit-ender. Aber ZM sind ja auch extrem türkenfeindlich, wir dürfen das ja, weil wir einen in der Band haben –

BN: Ah, so wie wenn die Rapper Nigger sagen?!

Ben: Genau, wenn eine Band irgendeinen Schwulen kennt, dürfen sie dann ja auch schwulenfeindlich sein…aber jetzt will ich Fragen beantworten – sonst frag ich dich gleich!

BN: Okay – lieber Deutsch oder Englisch in den Texten? Hat dich noch keiner gefragt!

Ben: Nach Lust und Laune, früher dachte ich, das sei themenbezogen. Dass ich über Persönliches in meiner Muttersprache singe, und über Politisches in Englisch – aber nach der Selbstanalyse geht das nicht ganz auf. Aber Texte die sehr nah dran sind, die sind meist tatsächlich deutsch.
Alan: In einem Song beides zu mischen hat man halt wirklich nicht oft.
Ben: Hab auch sehr hart an meinem deutschen Akzent gearbeitet, weil der fast weg war, und ich will mich weiterhin wie ein Deutscher anhören, weil ich nun mal eben Deutscher bin. Beim 3. Song auf dem neuen Album muss man drauf achten: genau anhören, da hab ich an einer Stelle richtig dran gefeilt. „Among sssse shades…“ anstatt „the“.

BN: Spielt ihr heut viele neue Sachen?

Ben: Klar wir wollen den Leuten die nicht aus unserer Region sind, die Möglichkeit geben, die neuen Sachen schon zu hören. Und wir haben einen neuen Gitarristen dabei, das ist die 1. Show in dieser Besetzung. Ist aber noch’n Geheimnis – das dürfen die Leute im Pott noch nicht wissen.

BN: Wenn der Pott so rockt – wie wars bisher hier im Schwäbischen?

Ben: In Backnang wars geil, da waren wir hinterher im Das Wohnzimmer, eine super Kneipe, auch wenn wir das ganze Mobiliar durch die Gegend geschmissen haben. Da wär ich fast gestorben, aber das wär nicht schlimm gewesen, das wär nur ne weitere Erfahrung gewesen…ich sehn mich auch ein bisschen nach dem Tod.
Ich mag in Stuttgart viele Leute – ich mach jetzt n bisschen Webung, das macht man so als Hardcoreband – der Jogges hat ne coole neue band, EMPOWERMENT, er ist der alte Sänger von Sidekick, ist ne Band die ist eigentlich Hardcore, aber mit Deutschpunk-Attitüde. Jogges, ich mein das ernst!

BN: Am 9. habt ihr euer großes Release – ihr wollt ja aber nicht auf ein Major, was sind denn dann die Ziele mit dieser Scheibe?

Ben: So klein, so true, so hardcore und spirit wie möglich bleiben und sagen: „Ihr da oben könnt uns alle mal, wir machen nur das, was wir wollen.“ Solange wir Freunde und Fans haben, die uns lieben, brauchen wir keinen riesen Plattenvetrag. Das Album sollte auf unserem alten Label, GSR, rauskommen – bei Theo, so ein cooler Typ mit Ziegenbart, den musst mal treffen und interviewen! Der meinte dann „Das Album ist echt megafett, aber wir können das nicht vermarkten auf unserem Label.“ GSR ist ein Hardcore- und Metalcore-Label, dieses Album hat da nicht mehr gepasst. Dann haben wir kein anderes gefunden, und dann sind wir zu Let It Burn.
Alan: Oh, wenn die Band jetzt anfängt zu spielen, isses kacke…

BN: Das passt, dann kommen wir jetzt zum Ende! Letzte Frage: Stärkt ihr morgen die Opposition?

Ben: Ich wähle wie angekündigt DVU.

BN: Nicht die Linken?

Ben: Nein, er wählt seit langem die Linken. Nee, das war gelogen, er wählt DVU. Er ist ja extrem ausländerfeindlich.

BN: Also Raus mit den Kanacken?

Ben: Ja, Heimreise statt Einreise!
Alan: Ich bin ja gar kein Türke, ich häng eigentlich nur im Sonnenstudio ab. Eigentlich komm ich ganz woanders her…
Ben: …eigentlich ist er weiß. Er hat arische Wurzeln.
Alan: Wenn ich irgendwem erzählen würde, was meine Wurzeln sind, der würde so doof aus der Wäsche kucken, weil sie eigentlich ganz woanders liegen.
Ben: Er ist ne Mischung aus nem Arier und nem Kanacken….
Alan: …und n bisschen Polen…
Ben: …n Kanarier quasi!
Alan: Eigentlich bin ich mehr polnisch als alles andere.

BN: Also, ihr geht morgen wählen, weil er nicht wählen geht, ist ein Idiot!

Ben: Genau, deshalb fahren wir heut Nacht auch wieder zurück, das ist der einzige Grund, weil wir wählen gehen.

BN: Außer „Glück auf“?

Ben: Glück auf! Hat uns gefreut, für Bleeding Nose ein Interview zu machen.
Alan: Ich grüße Ebbing! Der muss da rein. Der ist mein Cousin, und der wohnt mit Schebbing auf dem Dachboden zusammen…

BN: Wird erledigt, vielen Dank für eure Zeit!


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Ownblood-Magazine

Germany
Date: 2009-10-22

"Black rock" ist jetzt Euer drittes Album, und wie immer habt ihr beim Songwriting wie auch bei der Produktion auf viel Abwechslung gesetzt? Wie wichtig ist es euch, immer wieder an neuen Sound Ideen zuarbeiten und jedes eurer Alben so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten?

Also ein guter Song ist das ist das A und O für uns. Der steht einfach im Mittelpunkt der ganzen Geschichte. Ein richtig gutes Lied kann die Welt verändern, da ist es eigentlich egal, wie beschissen es gespielt oder aufgenommen ist. Mit Black Rock wollten wir eine Platte schreiben, bei der jedes Lied ein Hit ist. Wenn einem Riff oder einer Songidee das gewisse Etwas fehlt, schmeißen wir es sofort weg. Natürlich achten wir auch darauf, dass die Lieder abwechslungsreich sind, aber eigentlich kommt die Abwechslung von alleine, weil wir einfach Mucke machen, die wir selbst gerne hören würden - und da jeder von uns ganz unterschiedliche Musik hört, ergibt sich automatisch ein schönes musikalisches Potpourri. Um die Sounds kümmern wir uns dann erst kurz vor oder im Studio. Mit Jacob haben wir zum Glück einen Produzenten an der Seite der genau weiß, was wir wollen und das auch umsetzen kann. Denn auch wenn die Stücke im Mittelpunkt stehen, schadet es natürlich nicht, wenn sie im Studio ins rechte Licht gerückt werden. Diesmal haben wir bei ein paar Stellen mit Klavier, Orgel und Samples gearbeitet. Allerdings haben wir diese zusätzlichen Sounds dezent und nur an den Stellen eingesetzt an denen die Lieder darum gebettelt haben.

Wie kammt ihr auf den Namen "Black rock", was steckt dahinter?

Black Rock ist das Schiff von LOST und die gesamte Scheibe ist ein LOST Konzeptalbum. Das stimmt zwar nicht, aber Konzeptalben sind ja wieder voll im Trend. Auch in der Metalszene, und an die wollen wir uns ja schließlich anbiedern.

Produziert hat kein geringerer als Jacob Bredahl(exHatesphere) wie war die zusammenarbeit mit ihm, hat er euch bei eurem Sound vielleicht sogar etwas beeinflußt?

Wie grad schon gesagt, funktioniert die Arbeit mit Jacob sehr gut. Wir sind ein eingespieltes Team und verstehen uns trotz seiner komischen Sprache blind. Wir haben auch mittlerweile ein gutes Vertrauensverhältnis, so dass wir, wenn er nach 10 Stunden aufnehmen nix mehr hören kann, beispielsweise noch die ganze Nacht lang ohne ihn Gesang aufnehmen können. Von Vorteil ist natürlich, dass Jacob nicht nur einfach der Ex-Sänger von Hatesphere ist, sondern auch ein Gitarrist der seinen Scheiß gut drauf hat und darüber hinaus das Aufnehmen, Mixen und Mastern bei Tue Madsen von den Antfarm Studios lernte, einem der bekanntesten europäischen Produzenten für harte Musik. Was das konkrete Arbeiten an den Songs angeht, lässt Jacob natürlich auch immer wieder eigene Ideen mit einfließen, meistens finden wir aber unsere eigenen besser.

Seid ihr immer alle zur gleichen Zeit im Studio oder wie kann man sich das bei euch vorstellen?

Wir fahren immer als komplette Band ins Studio, alles andere ist mir irgendwie unangenehm. Ich weiß, dass viele Bands separat arbeiten, ihren Kram teilweise parallel in unterschiedlichen Studios aufnehmen und sich erst wieder treffen, wenn die Aufnahmen beendet sind. Und das ist auch voll ok und bestimmt total entspannt, aber ich persönlich brauch auch im Studio das Bandfeeling. Fünf Leute bilden eine Einheit und erschaffen gemeinsam ihr Album, das ist uns allen sehr wichtig. Natürlich braucht man aber auch im Studio ab und zu Ruhe und Freiräume. Wenn es an die Aufnahme der Soli geht, lassen wir Thorsten meistens alleine im Studio und gehen in Aarhus City einen Kaffee trinken. Das ist sicherer, da es sonst passieren kann, dass er uns nach einem seiner Wutanfälle die Gitarre an den Schädel hämmert. Im großen und ganzen verbringen wir im Studio aber die meiste Zeit zusammen. Wir schlafen sogar alle im gleichen Bett und trinken aus der selben Toilette.

Erzählt uns doch bitte ein wenig über den Recordingprocess, wie viel Zeit habt ihr insgesamt im Studio verbracht, gibt es irgendwelche witzigen Studiogeschichten?

Wir haben insgesamt 10 Tage aufgenommen, 100 Tage gemixt, 1 Tag lang Fotos gemacht, 11 Stunden am Layout gearbeitet, und 11 Minuten lang abgespritzt als alles fertig war. Ansonsten gibt es keine lustigen Geschichten.

Wie habt ihr euch auf die Aufnahmen im Studio vorbereitet oder ist das schon alles Rutine für euch?

Wir haben in den letzten Wochen vorm Studio jeden Tag Acht Stunden lang geprobt und alle Songs in einem kleinen Studio, dass wir uns im Proberaum eingerichtet haben vorproduziert. Diese Aufnahmen haben wir extra für die „Naja-das-Demo-war-ja-noch-cool-Fraktion“ als Bonus auf die C-Seite der 12“ Vinylversion gesetzt. Schlagt zu, dass ist der wirklich heiße Underground Shit! Ansonsten haben wir uns natürlich so wie immer täglich mit Thai-Öl eingerieben, um die Muskelfasern derartig locker zu machen, dass man beim Kacken weder drücken noch abwischen muss...einfach der Perfekte Schiss!

Wie entscheidet ihr ob ein Song letztendlich auf's Album kommt?

Wie schon gesagt, er muss das gewisse etwas haben. Und es muss ein ZM Song sein, dass kann man irgendwie schlecht beschreiben, aber beim Proben merken wir alle immer sehr schnell ob ein Lied diese besondere Qualität hat oder nicht. Ungefähr einmal im Monat gelingt es uns so ein Stück zu komponieren, dass ist immer ein sehr erhabenes Gefühl. Das hat schon etwas gottgleiches. Naja, leider glaube ich nicht an Gott, sonst könnten wir eventuell versuchen bei ihm ein Praktikum zu machen. Vielleicht kämen wir mit seinen Skills dann auf zwei Hits pro Monat. Naja, für Rock und Metal ist aber glaube ich sowieso der Kollege mit den Hörnern der richtige Ansprechpartner.

Textlich handeln eure Songs diesmal viel von Liebe,Tod und Freundschaft, wie wichtig ist es euch, dass eure Songs die Leute auch zum nachdenken anregen?

Mir persönlich sind Texte mega wichtig, den meisten Leuten gehen sie aber am Arsch vorbei. Schade ist das natürlich schon irgendwie, da es ja doch ein paar Bands mit sehr guten Texten gibt, wo es sich für den Konsumenten durchaus lohnenswert wäre einen Blick ins Booklet zu werfen. Ungleich häufiger muss man bei diesem Blick allerdings vor Entsetzen über Einfallslosigkeit und unerträglich grauenhafte Lyrik aufpassen, dass man nicht das kalte Kotzen bekommt. In solchen Momenten vergeht mir manchmal Stundenlang die Lust auf Musik, dann muss ich schnell ne Lindenberg oder Falco CD einschmeißen um zu regenerieren. Texte müssen aber nicht besonders bedeutungsschwanger sein, um mir zu gefallen. Es gibt durchaus ansprechende sinnlose Texte. Wichtig ist, dass sie gut geschrieben sind und die Stimmung und den Sound des Liedes aufnehmen und unterstützen. Mit meinen eigenen Texten versuche ich beides zu bedienen. Zum Teil steht der Spassfaktor und die Musik im Vordergrund, an anderer Stelle die Botschaft, in jedem Fall sollen die Texte aber unterhaltsam sein - genau wie der Rest der Musik.

Wenn ihr "Invite your soul" und "Black rock" vergleicht, was würdet ihr sagen sind die größten veränderungen zu eurem neuen Werk?

Musik, Sound, Texte, Layout, Label, alles anders, alles besser. Wobei ich den alten Kram nicht schlecht machen möchte, gefällt mir immer noch gut. Aber als Mensch in einer Band sollte es ja normal sein, dass man sein aktuelles Werk am besten findet. Sonst brauch man ja keine neue Musik mehr zu produzieren.

Veröffentlicht wurde "Black rock" via "Let It Burn" wie kam es zur zusammenarbeit?

Chris von Let It Burn hat schon ziemlich früh signalisiert, dass er Bock auf uns hat. Er wollte die Platte schon rausbringen, bevor er auch nur einen Song gehört hatte. Das fanden wir gleichermaßen dumm wie schlau. Deshalb hat er den Zuschlag bekommen. Es gab noch ein paar andere Interessenten, z.B. Ariola und Alveran...wir hatten aber keine Lust auf zu viel Pressure. Bei unserem alten Label GSR haben wir uns eigentlich immer sehr heimisch gefühlt, aber irgendwie war es Zeit für einen Tapetenwechsel.

Was würdet ihr sagen lernt man nur im Proberaum?

Fürze anzünden

Wie steht ihr in der Konsequenz dazu, wenn eure eigene Musik, illegal zum Download angeboten wird?

Downloads sind ein zweischneidiges Schwert. Vor allem für den Underground haben illegale Downloads in meinen Augen aber mehr negative als positive Folgen. Ich persönlich habe noch nie Musik aus dem Netz runtergeladen. Ich kauf mir lieber Platten oder CDs. Ich find es gibt nichts schöneres als ein gut gefülltes CD-Regal.

Was habt ihr noch für dieses Jahr alles geplannt?

Proben, Touren, Rocken! Und zwischendurch ein neues Album schreiben.

Vielen dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt und viel Glück mit euren neuen Album! Irgendwelche letzten Worte für eure Fans und unsere Leser?

Ich danke dir für das Interview. High Fans, Glück Auf!


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Partyausfall

Germany
Date: 2009-10-11

partyausfall.de: Hi Ben, nach zwei hervorragenden Alben holt ihr zum dritten Schlag aus und veröffentlicht Euer neues Album. Was verbirgt sich denn hinter dem Black Rock-Prinzip?

Hallo partyausfall, gute Frage... was verbirgt sich hinter Black Rock... also so genau kann ich das selbst nicht beantworten. Ich glaube einfach, in einer Szene, in der sich die unterschiedlichsten Spielarten so sehr ausdifferenziert haben wie in unserer, und du bei all den verschiedenen Genres, Subgenres und Subsubgenres den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen kannst, sehnen sich die Menschen nach etwas, das sie wieder ein bisschen näher zusammenrücken lässt. Ich hoffe jedenfalls, dass mich mein Eindruck nicht täuscht, denn wenn wir so weiter machen wie bisher, gebe ich dem Ganzen nicht mehr lange, bis es sich in die komplette Bedeutungslosigkeit auflösen wird - und das wäre doch sehr schade. Noch ist es aber nicht zu spät und ich glaube fest daran, dass jeder von uns etwas dafür tun kann, die Szene zu schützen. Ich denke, dass auch der Black Rock das Potential dazu hat, einen kleinen Beitrag zum Erhalt des Undergrounds zu leisten. Ich hoffe, dass er möglichst viele Menschen berühren und sie zur Einigkeit führen wird - Black Rock ist für alle da.

partyausfall.de: Hat sich in eurer Heransgehensweise etwas geändert und wie ist das Album entstanden?

Seitdem ZM im Winter/Frühling 2002 gegründet wurde, war immer eine Menge Bewegung in der Band. Es gibt zwar ein festes Grundgerüst, das seit dem ersten Album besteht, allerdings sind immer wieder neue Gesichter dazu gekommen die frischen Wind in die Angelegenheit gebracht haben. So gesehen lebt die Band von Veränderung - und dem Bedürfnis Neues zu erschaffen. Was das Songwriting betrifft, hat dieser Schaffensdrang dafür gesorgt, dass wir uns mehr Zeit nehmen mussten, um unter den Dutzenden von Ideen, die jeder von uns hatte, die Perlen herauszusuchen und diese optimal miteinander zu kombinieren. Auch für die Aufnahmen und die Produktion haben wir mehr Zeit eingeplant als bei den ersten beiden Alben, so hat die gesamte Produktion in Dänemark von Januar bis zum April 2009 gedauert. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu früheren Veröffentlichungen ist, dass die neue Scheibe von einem neuen Team veröffentlicht wird. Die CD wird am 09.10.09 auf Let it Burn Records erscheinen und dann über Soulfood vertrieben - die Vinylversion kommt auf Sharkmen/Powertrip Records raus und wird Mitte Oktober das Licht der Welt erblicken. Wir waren zwar stets mit unserer alten Plattenfirma (GSR) zufrieden, aber wie schon gesagt - the only constant thing is change - und auch labeltechnisch musste einfach etwas Neues her.

partyausfall.de: Spielt für dich die Form der Veröffentlichung eine Rolle?

Ich persönlich bevorzuge CDs oder Vinyl. Natürlich haben Downloads sowohl für die Produzenten als auch die Konsumenten von Musik viele Vorteile, aber bislang kann ich mich persönlich mit digitalen Veröffentlichungen nicht so richtig anfreunden. Wenn ich Musik kaufe, möchte ich, dass eine CD oder eine Platte in meinem Regal steht und ich etwas in den Händen halten kann, das ich nicht nur hören, sondern auch anfassen und sehen kann. Ich möchte das Werk einer Band, oder eines Künstlers gerne komplett auf mich wirken lassen - und das ist bei iTunes und co nur bedingt möglich. In den meisten Fällen hat es ja einen Sinn, dass ein Album aus 10 oder 12 Songs besteht und es ein Booklet mit Artwork und Texten gibt. Leider schwindet in Zeiten der Massenabfertigung die Qualität in diesem Bereich häufig drastisch. Alben bestehen aus zwei bis drei auf Hit produzierten Songs, der Rest sind bloß Lückenfüller, das Artwork ist lieblos und die Texte nicht von Belang... Deswegen kann ich irgendwie auch die verstehen, die lieber gezielt nur die "guten" Songs runterladen und den Rest ignorieren. Ich habe den Eindruck, dass sich schlechte Qualität und Downloads wechselseitig beeinflussen. Es gibt ja schon diverse Bands bei denen Mann den Eindruck bekommt sie produzieren gezielt Klingeltöne. Naja, wie bei allen neuen Medien wird es wohl auch hier eine Zeit dauern, bis sich ein vernünftiger Umgang einpendelt.

partyausfall.de: Bei der jüngsten Bundestagswahl hat die Piratenpartei eine deutliche Lockerung des Urheberschutzes bei digitalen Werken gefordert. Ist das für eine Band wie Zero Mentality ein wichtiges Thema?

Ich hab zu dem Thema eine etwas zwiegespaltene Meinung. Auf der einen Seite profitieren Bands zwar davon, dass ihre Musik durch illegale Downloads so viele Leute erreicht, auf der anderen Seite wird es für Bands aber immer schwieriger Plattenverträge zu bekommen. Plattenfirmen leben nunmal von CD Verkäufen und den Rückgang der Verkaufszahlen versuchen die Labels dann wieder durch Scheißverträge mit geringerem Studio-Budget oder Merchbeteiligungen reinzuholen. Man könnte jetzt zwar argumentieren, dass sich die Spreu schon vom Weizen trennen werde, aber Fakt ist, dass es Bands aus dem Underground, die eh nie viel verkauft haben und sich ihre Brötchen schon immer hart erarbeiten mussten am härtesten trifft. Es macht vielleicht keinen Unterschied ob Lady Gaga eine, zehn oder hundert Millionen CDs verkauft, aber es macht einen riesigen Unterschied, ob eine Band wie wir hundert, tausend oder zehntausend CDs verkauft. Das entscheidet nämlich darüber, ob es überhaupt noch ein weiteres ZM Studioalbum geben wird, oder wir wieder mitm Kasi im Proberaum aufnehmen müssen.

partyausfall.de: Im Song "Feature Dich Selbst" vom neuen Album rufst du zu mehr Eigenständigkeit auf. Handelt es sich dabei auch um eine Kritik an der momentanen "Hardcore-Szene"?

Ich bin nicht in der Position irgendjemanden für etwas zu kritisieren, das ich selbst nicht viel besser mache -auf unserer CD sind ja auch ein paar "Features"- aber ich beobachte mich und die Menschen, die mich umgeben, beschreibe was ich sehe und ziehe meine Schlüsse daraus. Feature dich selbst ist zwar als Reaktion auf den zunehmenden Starkult innerhalb des Undergrounds entstanden, stellt aber über mein Unverständnis über mangelndes Selbstvertrauen hinaus auch eine Aufforderung an mich selbst dar, bei dem Spielchen nicht mitzumachen. Ich empfinde diese übertriebene Heldenverehrung und das permanente und penetrante Namedropping als sehr unangenehm und bin oft peinlich berührt, wenn auf CDs riesige Aufkleber verkünden, dass "Jamie-Jackson-Hardcorestar" Guestvocals macht, oder in Bandinfos absurde Bezüge zu angesagten Bands hergestellt werden. Es scheint so, als hätten viele Musiker nicht genug Eier in der Hose etwas Eigenes zu tun. Das äußert sich dann auch in deren einfallslosen Songwriting. Vor ein paar Jahren war der Underground voll mit Leuten, die den Glauben an die Welt da draußen verloren haben, Leute, die nicht viel konnten aber alles gegeben und so aus eigener Kraft neues erschafft haben. Heute wird lieber altbewehrtes abgekupfert oder auf aktuelle Trends aufgesprungen, statt den eigenen Scheiß durchzuziehen.

partyausfall.de: Was sind deine persönlichen musikalischen Einflüsse?

Der neue Rammstein Song ist cool.

partyausfall.de: Hast du einen Geheimtipp für uns, egal aus welchem Gebiet?

Den neuen Rammstein Song.

partyausfall.de: Was kann man in der Zukunft von euch erwarten? Der Song "Das Ende vom Lied" klingt wie ein Abschied...

In dem von dir angesprochenen Song besinge ich nicht das Ende von ZM sondern stelle klar, dass ich der Meinung bin, dass jeder Mensch das ultimative Freiheitsrecht besitzt sein Leben dann zu beenden, wann er es für richtig hält - also mein kleiner Beitrag zur aktuellen Sterbehilfe Diskussion. Ich kann dir aber sagen, dass wir am Freitag und Samstag unsere Ruhrpott Release Shows in Hagen und Bochum spielen und unser Label gerade zwei Vinyl Release Shows im Osten Deutschlands bucht. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass wir demnächst auf Tour gehen werden Wo und wann das Ganze stattfinden wird, kann ich aber jetzt noch nicht voraussagen. Auf unserer MySpace Seite findest du aber demnächst bestimmt ne Menge brandaktueller Tourdaten...

partyausfall.de: Danke für das Interview!

Dank dir und Glück Auf! --- Ben Fink


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Mass Movement

UK
Date: 2009-10-07

About 20 years ago my brother Patrick ruined my life by leading me to the dark side of the force….
It was the summer of 1989. I was seven years old and my brother must have been 16. At that time I worshiped my brother like a superhero and tried to imitate everything he did. Surely I noticed that he started acting kinda strange lately and that my parents had many fights with him - because he stayed away from home a lot, begun dressing up a bit weird and was permanently skateboarding instead of going to school - but still he was my older brother and my undisputed idol…
Well, one day when my brother was at home, I heard infernal noise coming from upstairs where his room was located. Anxious but full of curiosity I climbed up the stairs to his realm. I listened carefully at his door and tried to figure out what this strange and very loud sound could possibly be. After a while I noticed my brothers voice - he was obviously screaming along to what now slowly started to sound a bit like music. I tried very hard to understand what he and the band that was playing on his stereo were shouting, but it was hard for me and my untrained ears to discriminate words from all the awful din. After a few songs that all sounded the same to me…I finally could understand something: “Deutschland muss sterben – damit wir leben können“ which means, “Germany must die, so that we can live“. Wow…I had absolutely no clue why this man and my brother wanted Germany to die so badly that they both were screaming their guts out, but they sounded so serious, so confident and so convincing, that I somehow believed them without a doubt.
I don’t know if it was the aggressive music, the disturbing lyrics, or simply the adoration for my rebellious brother, but I was so fascinated from what I was listening to, that I decided to enter the room and find out more about it. On that day Patrick showed me some other Slime Classics like “A.C.A.B.“, „Bullenschweine“ and “Yankees Raus“. He was really psyched about their latest record “Alle gegen Alle“ and tried to explain some of the lyrics to me. I can remember that he also put on a record from a band called Bad Brains and another from Suicidal Tendencies (who are now two of my favourite bands of all time), but at that point of my life these two hadn’t had the same impact that Slime had…maybe because they had no German lyrics. Although I started listening to Queen a couple of months later, I think on this day my brother laid the cornerstone for my musical, political and social development…it was the day when Punk ruined my life. Thank you Patrick, I love you.

Ben is the singer of the German hardcore band Zero Mentality. Please visit their home page at: www.zeromentality.com


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Burn Your Ears

Germany
Date: 2009-10-04

Mit „Black Rock“ haben sich die aus dem Ruhrpott stammenden ZERO MENTALITY ziemlich weit nach vorne getraut. Eine Mischung aus Hardcore, Metal und Dicke-Eier-Rock, die zwar gerne mal das ein oder andere Klischee mitnimmt, aber dennoch (oder vielleicht auch grade deswegen) extrem mitreißend ist. Und wer im modernen Hardcore soviel Individualität zeigt, darf sich auch gerne mal bei BurnYourEars zu Wort melden. Wir sprachen mit Sänger Ben.
Könntest du bitte Dich und deine Band unseren Lesern vorstellen?

Hey Kai, mein Name ist Ben Fink, und ich habe vor etwa sieben Jahren zusammen mit Marcel und ein paar anderen Chaoten die Zero Mentality ins Leben gerufen. Nach etlichen Umbesetzungen gehören heute noch Thorsten, Alan und unser neustes Familienmitglied Nils zur Band. Das kann sich aber schnell wieder ändern, da nicht jeder mit dem strengen Regiment klarkommt, das bei ZM geführt wird. Unpünktlichkeit, Verspieler, schmutzige Fingernägel und ähnliche Liederlichkeiten führen bei uns zum sofortigen und unwiderruflichen Rauswurf. Unser früherer Gittarist Chris hatte beispielsweise einen unansehnlichen Holznagel und kann sich damit jetzt höchstens noch bei Black Friday oder Born from Pain bewerben.

Wie kam es zu der großen Wandlung, die ihr mit "Black Rock" vollzogen habt?

Wenn man Black Rock mit unserem Demo vergleicht, haben wir uns natürlich extrem verändert. Guckt man sich aber an, was wir dazwischen gemacht haben, stellt man fest, dass es eine total natürliche und fließende Entwicklung ist. Auf jeder Veröffentlichung kann man Lieder entdecken, die als Vorboten für die kommenden Aufnahmen angesehen werden können. Wir haben allerdings niemals bewusst geplant, dass eine Platte nach New York Hardcore, Metalcore, Rock oder sonstwas klingen soll. Wir verschließen uns einfach nicht vor neuen Einflüssen, folgen unserem Instinkt und schreiben Songs, die wir selbst gerne hören würden.

Hat euere Freundschaft zu Hearbreak Motel auch etwas mit der starken Rockschiene bei euch zu tun?

Natürlich wird eine Band immer durch ihr Umfeld geprägt, und seit Heartbreak-Gittarist Alan bei uns Bass spielt, könnte man meinen, die Jungs versuchen uns heimlich zu infiltrieren. Aber ich glaube ehrlich gesagt, dass die Bands sich musikalisch nur bedingt beeinflussen. Wir haben mit Heartbreakmotel zwar so eine Art Seelenverwandtschaft - die Jungs sind genauso bescheuert wie wir, haben einen ähnlichen Humor, geben auch einen Scheißdreck auf Trends und Verhaltensregeln, lieben es alles kurz und klein zu hauen und machen alles, was sie tun, mit Herz und Seele, egal was die Szenepolizei dazu sagt - aber dass wir uns ohne Heartbreakmotel soundtechnisch besonders anders entwickelt hätten, glaub ich nicht so wirklich. Schon auf "InviteYour Soul" haben wir viele rockige Elemente in unseren Songs und mit "Loser in Love" oder "Vanish with a Rose" Stücke, die ohne Probleme auch auf Black Rock funktionieren könnten. Und als wir die geschrieben haben, kannten wir die Jungs aus Recklinghausen nur vom Sehen.


Habt ihr auch überlegt, mal mit einem anderen Produzenten zusammenzuarbeiten, und wird euch Jacob Bredahl wohl mit jedem Sound begleiten?

Jacob hat einen ähnlich breit gefächerten Musikgeschmack wie wir, das sieht man ja schon an seinen eigenen Projekten: Hatesphere, Last Mile, Allhellluja, The Kandidate, usw. - alles coole, aber total unterschiedliche Bands. Als Produzent hat er es bislang immer geschafft, sich perfekt auf unsere Bedürfnisse einzustellen, sowohl musikalisch als auch sexuell. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass wir auch fürs nächste Album nach Dänemark düsen werden.

Ich finde, euer "Electric Lips" klingt wie eine Song von HIM, nur in gut. Könnt ihr mit so einem Vergleich etwas anfangen?

Der Vergleich ist in meinen Augen ganz gut und du bist nicht der Erste, der das sagt. Naja, ich fasse das einfach als Kompliment auf, zumal es auf dem Album mein absoluter Lieblingssong ist. Ich weiß auch gar nicht, was die Leute gegen HIM haben. Ich mag sie sehr gerne.Ville Valo ist übrigens ein großer ZM Fan und schreibt uns ab und zu bei MySpace.


Ihr seid seit 2002 dabei. Was hat sich in all den Jahren geändert, sowohl innerhalb der Band als auch in der Szene um euch herum?

Nunja, wir haben - wie oben beschrieben - ne ganze Menge Musiker verbraucht, im Schnitt jedes Jahr einen. Das ist vielleicht auch der Grund, warum wir uns noch nicht aufgelöst haben, durch die Neuen kommt immer wieder Schwung in die Bude und es wird nie langweilig. Ansonsten hat sich nicht viel verändert, die Szene erlebt immer noch ein ständiges Auf und Ab, und Bands, die gestern auf den Hardcoreolymp gehyped wurden, werden heute schon wieder fallengelassen wie heiße Kartoffeln - und morgen lösen die sich dann auf. Ist also alles beim Alten, nur Twitter ist neu.

Ihr vereint verschiedene Stile in eurer Musik. Welche Bands haben euch geprägt, und habt ihr so etwas wie Vorbilder?

Egal, welche Bands ich jetzt aufzählen würde, ich könnte niemals ein representatives Bild vom Musikgeschmack der Bandmitglieder zeichnen. Unsere musikalischen Einflüsse kann ich daher nur schwer auf eine Liste von Namen reduzieren. Ich glaube, die einzige Band, die wir in unserer Jugend alle gehört haben, ist Guns n Roses, wobei ich ehrlich gesagt sogar eher ein Queen-Man war. Ich war echt ein riesiger Freddy Mercury Fan, aber nachdem ich gesehen habe, was mit ihm passiert ist, habe ich mir keine neuen Helden mehr gesucht. Da waren dann nur noch Johnny Cash und mein Opa übrig, aber die sind jetzt auch tot... Ich kann also mit Fug und Recht behaupten: All my heroes are dead.

Mit der dicken Hose, die ihr auf dem neuen Album tragt, könntet ihr eigentlich ganz gut bei den Amis ankommen. Gibt es irgendwelche Pläne, mal den großen Teich zu überqueren?

Hätte ich nichts gegen, aber konkrete Pläne gibt es nicht. Überhaupt sind wir ziemlich schlecht im Planen. Wir sind eher die Band, die alles auf sich zukommen lässt.

Ihr habt bereits zwei Split-CDs gemacht (mit THE SETUP und THE HEARTBREAK MOTEL). Mit wem würdet ihr euch noch gerne mal einen Silberling teilen?

Mit Black Friday oder Born From Pain.

Wie seht ihr euer altes Material, jetzt kurz nachdem "Black Rock" fertig ist?

Ich mag die alten Sachen nach wie vor, und dem Rest der Bande geht's genauso. Deshalb werden wir live auch weiterhin früheres Material spielen - wobei man als Band natürlich immer heiß darauf ist, den neusten Shizzle zu präsentieren. Ich denke mal, ne gute Mischung macht alle froh.

Schreibt ihr eigentlich exakt die Menge an Songs, die aufs Album kommen, oder wird im Studio noch aussortiert?

Wir sortieren meistens schon in der Vorproduktion aus. Für "Black Rock" hat Thorsten bestimmt 60 bis 70 Songs geschrieben, es war gar nicht so leicht, da den Überblick zu behalten und die Perlen raus zu picken. Zum Glück hat er die Songs und Riffs immer direkt aufgenommen, da ist nämlich noch genug gutes Material für die nächsten drei Alben dabei.

Famous Last Words?

Vielen Dank für das Interview. Glück Auf!


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Break Away Fanzine

Austria
Date: 2009-08-31

After some line-up changes, please let us know first who is playing in Zero Mentality at the moment.

The current formation of ZM consists of Hilgenstock (drums), Groborz (guitar), Kebab (bass), Goebbels (guitar) and me (voice). But I am thinking about leaving the band since it became popular for singers to fink out. But please do not tell the other guys, they don´t know it yet.

I will take care of your secret do not worry. I think I have heard some of these names of your current members already. Am I wrong?

I Don´t know…Hilgi and me have been in ZM from the beginning. Groborz since the first album. Goebbels joined us in early 2008 (you might recognize his name because he has famous relatives). And Kebab somehow sneaked in the Band a couple of month ago-you might know him because he plays guitar in heartbreak motel and sells Falafel aufm Weihnachtsmarkt.

I have read some interviews wherein you do not really care about the stupid asked questions. Further, I have seen some shows where some of you guys derided the audience, for instance Nuremberg or Vienna. Therefore, what do you think about all the guys who talk about ZM on internet blogs, forums and the like?

First of all I gotta say that your question is so stupid, that I really have a hard time being polite and answering it...but I´ll try. Well I can´t really remember that we have ever insulted or derided anybody, but if we did so I am pretty sure they deserved it. And about the Internet... I love the Internet and I think it´s great that the community has found a place where every fucking squirt is able to talk shit and spread his irrelevant thoughts. I mean let´s face it, otherwise these fuckers might start their own bands and bore us with niggling lyrics and bad music.

You guys are somewhere between the hardcore and the metal scene. Tell us some advantages and disadvantages about being a band, which is not strict playing one kind of music.

Every band member in ZM has his own musical and social background. We all have places and friends where we feel home and secure and scenes where we grew up in. For some of us that´s Hardcore and Punk, for some Metal and for some it´s Rock. But as a band we have never been interested in being part of any scene. Maybe just because the people behind ZM always have been so heterogenic. For me being in this band means complete freedom. I never have to ask myself “well are these lyrics still hardcore?” or “is this shirt design metal enough?” I think it´s ridicioulus that bands write songs like this. And it´s probably the reason why I only like such a small amount of new bands. Especially in the hardcore scene, narrowmindness is a hip trend. But I don´t wanna bad-mouth the whole scene, for some reason most of our shows get booked by hardcore kids and a lot of the people who supported us through the years are hardcore related, so I think that means that there are a bunch of people whose horizon reaches beyond run of the mill copycats.

What do you think about the German hardcore scene, especially the Ruhrgebiet?

As said before I don´t like too many new bands. My favourite hardcore bands from the Ruhrpott are probably Black Friday and Ritual. But I can´t really tell if that´s because I love their music or because I love the guys in the bands. I just put up a show together with my wife called “Ruhrpott Revival Fest”. It´s gonna be black friday 29, settle the score, copykill, city to city and us. I also asked ritual and end of days, but they both had to cancel. I think these are all bands that deserve to be checked out.

Any plans for an upcoming tour and do you also plan to go to the USA in the near future?

We will definitively hit the road soon and bring black rock to far out places, just check our website for updated showdates.

As black rock is mentioned, you just released your equal named song black rock, which can be heard at Myspace. Will there be a new record out soon as well?

We don´t know yet, we have recorded a couple of songs in January, but we haven´t decided yet what to do with them. We´ll see...

What is of most importance for you as individuals in Zero Mentality?

I am not quite sure if i do understand your question and of course I can only speak for myself. But for me the most important thing is living a passionate life and fight for what I fink is right.

What do you think about bands like Caliban, Heaven Shall Burn and the like, who started as a “hardcore” band and become really famous now as Metal bands?

I don´t know what you´d like to hear, but I have nothing negative to say about them. Musicwise they have never been my most favourite bands but I think they improved alot through the years and I have nothing but respect for everything they have achieved so far. And honestly, I couldn´t care less if they are classified as metal, hardcore, metalcore or whatever.

Where do you see yourself in 5 years?

Teaching kids in a classroom and touring with my band 10 weeks a year.

What do you teach? Account Management?

I teach handicapped children.

One of the best ideas I have ever seen is that you transport your merchandise in an old bench. Who’s invention was that?

Mine, but the bench is broken now. Maybe next time we bring a cosy.

What would you ask Zero Mentality as an outstanding person in an interview?

Wie gehts?
Ok. Wie gehts?
Geht so. Und dir?

What do you think about the listeners who are first totally into your music when you are underground and then point their fingers and hating you when you get a little bit more attention outside the hardcore scene?

I can´t blame them. It´s not easy to share things you love. I really had a hard time when I found out that I wasn´t the only kid in school who was into Johnny Cash. It´s especially hard to manage when you realize that people you totaly despise listen to the same music you do. But someday you´ll get over it and you just focus on enjoying the music. And by the way, ZM is def. less overground than most of the bands that pledge allegiance to the flag of diehard underground hardcore.

Do you share my opinion that hardcore becomes more and more boring and further totally lose the hazardousness?

Yes

That’s really sad, isn’t it? Thanks for the interview and the stupid answers. Last words?

Yes, sad. Glück auf!

Glück auf!


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Music Scan

Germany
Date: 2009-07-14

Für ihren neuen Longplayer, „Black Rock“, haben ZERO MENTALITY bei Let It Burn angeheuert. Traditionell geprägte New York-Hardcore-Klänge treffen auf eine rockig-relaxte Grundhaltung und eine groovige Heavy Metal-Kante. Mit dieser Aufstellung ist Eigenständigkeit garantiert, zumal sich fast alle Stücke als treffsichere Hymnen entpuppen. Die Ruhrpott-Recken beleben das derzeit unterrepräsentierte HC-Genre mit neuen Impulsen und stellen unter Beweis, dass Innovation allein von der eigenen Motivation und Kreativität abhängt.

Musicscan: Was gibt es eingangs zum Selbstverständnis von Zero Mentality zu sagen? Wie würdest Du Eure Motivation und Bandchemie in Worte fassen, wenn man das aktuelle Bandphoto als Ausgang nimmt? - Ihr lacht, seid locker und passt vom Äußeren nicht unbedingt zusammen... Oder anders, wenn auch nicht ganz gleich: Heutzutage braucht ja scheinbar jede Band ein Image – Welches habt Ihr?

Zero Mentality: Die Bandfotos sind komplett inszeniert. Wir hatten eigentlich überhaupt keinen Bock auf das Shooting, aber unser Label hat uns gezwungen - die denken es würde sich gut verkaufen. Deshalb wohl auch die oben-ohne Fotos. Check ich nicht was das soll….Was die Fragen nach Image und Selbstverständnis angeht, kann ich dir im Moment leider auch nicht weiterhelfen, das wird erst festgelegt, wenn unser Manager aus dem Urlaub zurück kommt. Das Einzige, was wir schon besprochen haben ist, dass ich in Interviews nur jede zweite Antwort ernsthaft beantworten soll.

Musicscan: Ihr seid musikalisch nicht die einzigen, die Old School-Hardcore mit Punk-Rock und einer Metal-Kante verbinden. Trotzdem habt ihr es geschafft, eigene Trademarks zu entwickeln, etwas, was längst nicht jeder Band gelingt. Was ist bei Euch anders?

Zero Mentality: Wir sind besser als die anderen.

Musicscan: Was treibt Euch an, immer noch als Zero Mentality aktiv zu sein? Mit den Jahren wachsen ja die Verpflichtungen neben der Musik und Familie, Berufen usw. fordern zusehends Zeit. Fällt es Euch schwer, das alles auf die Reihe zu bekommen? Und was geben Euch die Strapazen?

Zero Mentality: Das hab ich mich auch schon gefragt. Vermutlich ist es eine Mischung aus Zwang, Lust und Leidenschaft…mit Spaß hat das ganze allerdings nichts zu tun, mit Geld auch nicht, da wir nie Gage verlangen.

Musicscan: Ist Hardcore tatsächlich eine Rock-Spielart der “Jugend”, aus der man als Musiker irgendwann fast zwangsläufig herauswächst? Ihr seid ja an einem Punkt, an dem Ihr das gut beurteilen können solltet.

Zero Mentality: Um deine Frage zu beantworten, muss ich ein bisschen ausholen. Meinem Verständnis nach ist Hardcore überhaupt keine Spielart. Das sieht man in meinen Augen schon daran, wie viele unterschiedliche Musikstile unter dem Label Hardcore gehandelt wurden und werden. Egal ob Punk, Metal, Rock oder sogar Elektronische Musik, irgendwie geht alles als Hardcore durch, was sich in der Hardcoreszene aufhält. „A way of life“ ist es allerdings auch nicht wirklich…ich meine, guck dir mal an, wie viele gegensätzliche Lebensentwürfe innerhalb der Szene existieren. Hardcore ist für mich eine sehr heterogene Subkultur, die sich von den ursprünglichen musikalischen und ideellen Wurzeln gelöst hat und sich mittlerweile in unzählige konkurrierende Splittergruppen aufgeteilt hat. Heute gibt es ja mehr Subgenres als jemals zuvor. Da steigen selbst Experten nicht mehr durch. Was die Hardcoreszene angeht mach ich mir das allerdings einfach, für mich gibt es nur zwei Hauptstränge. Die Traditionalisten, die keine neuen Einflüsse zulassen und sich mit dem daraus ergebenden Hang zur permanenten Selbstzitierung weitgehend überflüssig und belanglos machen. Und die Innovations-Fraktion, die sich mit ihrem Hang zur beschissenen Musik weitgehend unanhörbar macht. ZM würde ich genau zwischen diesen beiden Gruppen ansiedeln, also hardcoretechnisch weder Fisch noch Fleisch. Um den Bogen zur Musik zu schließen…musikalische Entwicklung hat meiner Meinung nach weniger mit dem Alter und mehr mit der Einstellung zu tun. Und was die Hardcoreszene angeht, manch einer hat schon nach zwei Jahren die Schnauze voll, andere erst nach 50 und manche nie. Auch das ist wohl Einstellungssache und abhängig davon, in welcher Abteilung und welchem Umfeld man sich bewegt.

Musicscan: Wie ist es aus Eurer Sicht aktuell um das Genre Hardcore bestellt? So richtig scheint nichts zu gehen und HC ist wieder tief in seiner Nische drin. Wie habt Ihr die Entwicklungen der letzten Jahre erlebt, und was braucht es Eurer Meinung nach, um den Hardcore wieder “populärer” zu machen?

Zero Mentality: Ich weiß gar nicht ob Hardcore “populär“ werden sollte, ich würd mir nur wünschen, dass ich mich im Hardcore wieder mehr zu Hause fühlen kann. Allerdings glaube ich, dass Hardcore ein Identitätsproblem hat. Und das liegt, wie ich schon angedeutet habe, nicht zuletzt im Unity-Konzept begründet. Auf der einen Seite sind wir stolz auf unsere Verschiedenheit, auf der anderen Seite wollen wir uns aber auch szeneintern von Anderen abgrenzen. Eigentlich sollte es ja für eine so vielfältige Gruppe selbstverständlich sein, sich gegenseitig zu akzeptieren und zu respektieren, weil man nur so seine volle Kraft entfalten kann. Aber bei dem ganzen Schrott, der unter dem Deckmantel des Hardcore verzapft wird, fällt es oft wirklich schwer ein Wir-Gefühl zu entwickeln. Man bedient sich heute zwar ab und zu gegenseitig an stilistischen Elementen, aber so richtig will man trotzdem nichts miteinander zu tun haben. Jeder denkt, dass seine Lieblingsband die geilste ist und der Rest nur Dreck. Von dem „unity“ Gedanken „Wir zusammen - gegen die da draußen“ ist wohl nicht mehr viel übrig geblieben…vielleicht liegt es auch daran, dass der Begriff von einigen Protagonisten bis zur absoluten Lächerlichkeit überzeichnet wurde. Naja, aber vielleicht grade deshalb, UNITY!

Musicscan: Mit dem Titel der neuen Platte entkoppelt Ihr Euch ja indirekt auch vom HC und der Song, den man auf myspace hören kann, ist einerseits ne starke Hymne und andererseits Hardrock. Setzt sich das in den anderen Stücken der Platte fort? Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Zero Mentality: Der Black Rock zieht sich auf jeden Fall auch musikalisch durch die gesamte Platte. Allerdings ist Black Rock in sich schon ein so vielseitiges Genre, dass die ganze Platte zwar aus einem Guss ist, aber eigentlich kein Song dem anderen gleicht. ZM ist für alle da und eigentlich müsste auf Black Rock für Jeden und Jede was dabei sein. Aber das ist vermutlich genau das Problem, die meisten Menschen wollen einen Stempel auf der Musik haben, den sie mit ihrem eigenen abgleichen können. Falls diese nicht identisch sind, verlieren sie schnell das Interesse. Und ZM sind irgendwie schlecht einzuordnen. Wir werden jedenfalls weiterhin den Leuten unseren eigenen Stempel aufdrücken.

Musicscan: Wenn man als Band seinen Stil beständig weitertreibt und immer wieder verändert, braucht man im Songwriting ja auch einen Mechanismus, der hilft, zu beurteilen, wann ein Song fertig und gut ist. Wie bekommt Ihr das heraus?

Zero Mentality: Die Songs sind dann fertig, wenn sie aufgenommen werden. Jede neue Platte ist ja immer bloß eine Momentaufnahme. Man sollte sich zwar genug Zeit zum Schreiben und Optimieren der Songs nehmen, aber irgendwann muss auch mal gut sein. Gibt ja noch genügend andere Songs, die geschrieben werden wollen.

Musicscan: Aspekte wie Tempo, Härte, Melodien, Groove etc. Was ist Euch wichtig und was muss ein Song haben, um Euch zu catchen?

Zero Mentality: Aspekte wie Tempo, Härte, Melodien, Groove etc..

Musicscan: Wieviel Bauchgefühl steckt in Euren Songs? Von den Releases der Vergangenheit würde ich sagen, ihr schreibt vor allem intuitiv und versucht gerade nicht, zu planen. Oder?

Zero Mentality: Ich halte nicht viel von Plänen, weil die meisten entweder Scheiße sind, oder sowieso nicht aufgehen. Deswegen versuchen wir so wenig wie möglich zu planen. Beim Songwriting so gut wie nichts, außer feste Probezeiten und selbst die sind variabel.

Musicscan: Wie wichtig ist es Euch, mit neuen Tracks immer wieder auch neue Sachen auszuprobieren? Was habt Ihr diesbezüglich für die neue Platte getan?

Zero Mentality: Wie sagt man so schön „the only constant thing is change”. Vor bzw. nach jeder Platte wechseln wir den Bassisten und die Instrumente, so stellen wir sicher, dass wir nicht zweimal die gleiche Platte aufnehmen. Zusätzlich nutzen wir jeweils die Ressourcen, die neue Mitglieder mitbringen. Alan z.B. hat Klavier gelernt, deswegen haben wir auf Black Rock, dort wo es zuträglich ist, Klavier und Orgel eingesetzt. Außerdem haben wir mit Sample-Kram experimentiert, unser Freund Joey hat das gemacht, er hat auch schon Songs für Evanescence geschrieben.

Musicscan: Es heißt immer, dass es deutsche Bands schwerer haben, sowohl in Deutschland als auch im Ausland Anerkennung zu finden oder überhaupt auf sich aufmerksam zu machen. Teilt Ihr das und welche Erfahrungen habt Ihr diesbezüglich gemacht?

Zero Mentality: Das stimmt auf alle Fälle, ist schon seltsam, dass hier teilweise US Bands touren, die gerade mal eine vollkommen durchschnittliche 7inch draußen haben und der Saal geht ab, als ständen da 10 nackte Blondinen auf der Bühne. Das ist echt beschämend, wenn zuvor junge regionale Bands spielen, die den gleichen Stil spielen und tausendmal geiler sind aber nicht annähernd so gute Resonanz bekommen. Manchmal frage ich mich echt, ob irgendjemand den Leuten ins Gehirn geschissen hat, dass sie die Perlen, die vor ihnen liegen, so mit Füßen treten.

Musicscan: Ihr seid live über die Jahre immer präsent gewesen: Gibt es Erlebnisse, die im positiven und negativen Sinne besonders nachhaltig hängengeblieben sind?

Zero Mentality: Es gibt viele tolle Erlebnisse, immer wieder gerne erinnere ich mich z.B. an eine sehr intensive und denkwürdige Show in Nordhausen (siehe zweites Foto).

Musicscan: Was tut Ihr, um von der "Zero Mentality" zurück zu Kraft und Optimismus zu finden? Wie helft Ihr Euren Hörern, das auch zu schaffen?

Zero Mentality: Den meisten Menschen ist nicht zu helfen, da können wir rocken wie wir wollen. Das Einzige, was ich immer wieder versuche zu vermitteln ist, dass die Flucht vom Planet der Affen niemals enden darf!

Musicscan: Letzte Worte?

Zero Mentality: Die Flucht vom Planet der Affen darf niemals enden - Glück Auf !


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Waste Of Mind

Germany
Date: 2009-07-05

Wenn man die Zeichen richtig deutet, werden Zero Mentality mit ihrer neuen Platte dem wohl zu eng gewordenen Metalcore-Genre Lebewohl sagen - und einen großen Schritt nach vorne tun. Bis zur Veröffentlichung ist es zwar noch ein bisschen hin, aber wir baten die Band trotzdem zum kleinen Vorab-Gespräch.
Jungs, bei Euch scheint sich ja in letzter Zeit einiges getan zu haben – erzählt doch mal ein bisschen, was die letzten Monate so passiert ist!

Also eigentlich ist alles wie immer...wir sind Anfang des Jahres nach Dänemark gefahren, haben uns dort mit Absinth zugeschüttet und nebenbei ein Album aufgenommen. Als wir 3 Monate später zu Hause aufgewacht sind, stand der Postbote mit den fertigen Aufnahmen vor der Tür. Ich muss sagen, wir waren doch sehr überrascht, dass das ganze sogar ziemlich passabel geworden ist. Das fand wohl auch Chris von Let it Burn Records, der uns so eine Art Heiratsantrag gemacht hat und die Platte nun im Oktober rausbringen darf. Ansonsten fällt mir grad keine bedeutsame Veränderung ein.

Was kann man denn von der neuen Platte erwarten?

Es ist die erste Platte die wir aufgenommen habe, von der ich mir einbilde, dass ich sie kaufen würde, wenn ich nicht in der Band wäre. Wer also einen ähnlichen Musikgeschmack hat wie ich wird Black Rock vermutlich geil finden. Alle anderen wohl eher nicht.

Eure Statements auf Myspace wirken so, als hättet Ihr von dem, was man so gemeinhin als Metalcore versteht, ganz schön die Nase voll. Wie kommts?

Ich würd das überhaupt nicht auf Metalcore reduzieren. Es gibt im Underground generell nur noch eine Handvoll Bands die mir sympathisch sind. Egal ob traditioneller Hardcore, Deathcore, oder sonstwas, 90 Prozent aller Bands die ich in letzter Zeit gesehen habe, machen einfach so eine langweilige, belanglose und bereits hunderte male, tausend mal besser gehörte Scheißmusik mit scheiß Texten, dass ich einfach nur kotzen könnte. Da braucht man eigentlich echt keine Sub-Genre Unterteilungen mehr, dass läuft alles problemlos unter Crapcore. Und auf so n scheiß hat halt keiner von uns bock drauf.

Was genau ist eigentlich Black Rock?

Ich zitiere: „Black Rock bezeichnet die gemeinsame Entstehung von Materie, Raum und Zeit aus einer ursprünglichen Singularität.“ Ich weiß nicht mehr genau von wem das Zitat ist, ich glaube es ist von mir, aber in der Zukunft geschrieben.

Ihr habt ja wieder in Dänemark aufgenommen – ein Wunsch von Euch, oder hat sich das so ergeben?

Wie bereits vorhin angedeutet, haben wir bislang immer in Dänemark aufgenommen. Nur unser 2003er Demo wurde in Viersen produziert. Unser Mann in Dänemark ist Jacob Bredahl (früher Sänger von Hatesphere heute Gitarrist bei Last Mile). Ich glaube unser erstes Album „in fear of forever“ war auch sein erstes Album als Produzent. Damals hatte sich, dass mehr oder weniger einfach so ergeben. Rob von Born from Pain hatte uns Jacob empfohlen und da Holländer sehr vertrauenswürdig sind, haben wir auf ihn gehört. Ich bin Rob echt dankbar für den Rat, denn in Jacob haben wir nicht nur einen super Produzenten, sondern auch einen guten Freund mit einem großen Herz und einem noch viel größeren Penis gefunden.

Was für Platten habt Ihr Euch denn so in den Aufnahmepausen und privat zuletzt angehört?

Eigentlich nur den Planet der Affen Soundtrack.

Und was für Reaktionen erwartet Ihr, sobald die neue Scheibe raus ist?

Viel Hass und vielleicht auch ein bisschen Liebe….Ich glaube Black Rock ist ein bisschen wie so ein Spiegelirrgarten auf der Cranger Kirmes. Wenn man mit einer positiven und offenen Einstellung an die Sache rangeht, kann man ne Menge Spass haben und viel entdecken. Eventuell kann man sogar etwas über sich selbst erfahren…aber das überfordert viele Menschen verständlicher Weise. Einige Bilder sind auf den ersten Blick ja auch ziemlich verwirrend und ungewohnt. Deswegen, werden uns die meisten Szene-Affen vermutlich erst gar keine Chance geben…ich würd mich aber freuen, wenn sich doch ein paar mutige drauf einlassen.

Sonst noch etwas, auf das man sich gefasst machen sollte?

Wir werden uns bis zu unserer Release-Show im Oktober auf alle Fälle noch die eine oder andere Aktion einfallen lassen, um die Wartezeit aufs Album zu verkürzen. Also checkt unsere und die Let it Burn Website für Informationen. Innoffiziell kommt Black Rock ja eh schon am 11. September raus, aber das darf ich hier noch nicht verraten, ich will ja niemandem die Überraschung versauen. Außerdem wird das dann ja eh in allen Medien laufen. OK, wie auch immer…wir sehen uns in der Zukunft, Glück Auf!


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A TRAITOR LIKE JUDAS & LIGHT Y...
Guerilla Homefires (vinyl EP)

LET IT BURN
Anniversary Sampler

TAUSEND LöWEN UNTER FEINDEN
Machtwort (2nd press)
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